Schadstoffinfos - Infoteil
Hier finden Sie eine ausführliche Zusammenstellung der gängigen Schadstoffe mit
Informationen zu den Analyseverfahren, zu Quellen und Vorkommen der Substanzen (
Baustoffen, Mobiliar ect.), zu den gesundheitlichen Auswirkungen, zum Einsatz, zu
Vorschriften, Literaturhinweisen und vieles mehr.
Gliederung
| 1 |
Flüchtige organische Verbindungen (VOC/SVOC/MVOC) |
| 1.1 |
Leicht bis mittelflüchtige, vorwiegend unpolare organische Verbindungen |
| 1.2 |
Glykole und Glykolderivate, Aldehyde, Weichmacher |
| 1.3 |
Mikrobiologisch erzeugte flüchtige organische Verbindungen (MVOC) |
| 2 |
Phenole und Kresole |
| 3 |
Isothiazolinone |
| 4 |
Acrylate |
| 5 |
Environmental Tobacco Smoke (ETS) / Nikotin |
| 6 |
Organische Säuren |
| 7 |
PAK / Naphthaline |
| 8 |
Formaldehyd und höhere Aldehyde |
| 9 |
Holzschutzmittelwirkstoffe / Pestizide |
| 10 |
Biozide |
| 11 |
Polychlorierte Biphenyle (PCB) |
| 12 |
Weichmacher |
| 13 |
Flammschutzmittel |
| 14 |
Polychlorierte Dibenzodioxine und -furane (PCDD/PCDF) |
| 15 |
Schwermetalle |
| 16 |
Asbest |
| 17 |
Künstliche Mineralfasern (KMF) |
| 18 |
Schwarzstaubablagerungen in Innenräumen |
| 19 |
Standard der baubiologischen Messtechnik |
| 8 |
Index (siehe *.pdf-Download des Leistungsverzeichnisses Seite 72) |
| 9 |
CAS-Nummern (siehe *.pdf-Download des Leistungsverzeichnisses Seite 77) |
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1 Flüchtige organische Verbindungen (VOC/SVOC/MVOC)
Luftanalytik: Die Analyse von VOC kann entweder mit Thermodesorption
oder mit Lösemitteldesorption erfolgen.
Die Analyse von VOC mittels Thermodesorption wird nach nach DIN ISO 16000-6
durchgeführt. Die Probenahme erfolgt auf Sammelröhrchen, die mit dem
Adsorptionsmittel TENAX TA gefüllt sind. Diese Röhrchen können in speziellen
Transportbehältern zusammen mit einer detaillierten Probenahmeanleitung von ALAB
bezogen werden. Die Röhrchen werden mit mindestens 2 Litern Luft bei einem
Volumenstrom von ca. 100 ml/min beladen. Die Analyse erfolgt nach thermischer
Desorption gaschromatographisch mit massenselektivem Detektor. Die Bestimmungsgrenzen
liegen für die meisten VOC bei 1 µg/m3. Die Bestimmungsgrenzen für MVOC und
weitere Geruchsstoffe liegen, je nach Gehalt der Probe an überlagernden
Störsubstanzen, bei 30 bis 100 ng/m3 pro Substanz. Die Vorteile der
Thermodesorption gegenüber der Lösemitteldesorption bestehen in kürzeren
Probenahmezeiten und einer umfangreicheren Untersuchungspalette.
Materialanalytik: Materialproben werden zur Untersuchung auf VOC mittels
Thermodesorption in einem kleinen Prüfraum bei 60°C zwei Stunden lang im Gasstrom
extrahiert. Der beladene Extraktions-gasstrom wird über ein Tenax TA-Sammelröhrchen
geleitet. Der weitere Analysengang entspricht der Luftanalytik.
Die Analytik bei Lösemitteldesorption wird bei der folgenden Vorstellung der
einzelnen Substanzpaletten genauer beschrieben.
1.1 Leicht bis mittelflüchtige, vorwiegend unpolare organische Verbindungen
Luftanalytik: die Analyse von auf Aktivkohle-Sammelröhrchen gezogenen
Luftproben wird in Anlehnung an die die VDI-Richtlinie 2100 Bl. 2 ausgeführt.In
Stichworten: Zugabe von internen Standards zu der beladenen Aktivkohle, Desorption der
nachzuweisenden Substanzen mit Schwefelkohlenstoff, analytischer Nachweis mit Hilfe
eines mit einem Massenspektrometer gekoppelten Gaschromatographen (GC/MS). Die
Bestimmungsgrenze beträgt bei 100 Liter Sammelvolumen 1 bis 5 µg/m3 pro
Substanz.
Materialanalytik: Materialproben werden zur Untersuchung auf VOC in einem
kleinen Prüfraum bei 60 °C zwei Stunden lang im Gasstrom extrahiert. Der beladene
Extraktionsgasstrom wird über ein Aktivkohle-Sammelröhrchen geleitet. Der weitere
Analysengang entspricht der Luftanalytik.
Lösemittel begleiten uns auf Schritt und Tritt: sie sind in der Atemluft
allgegenwärtig und in unzähligen Produkten des täglichen Gebrauchs enthalten.
Autokraftstoffe bestehen fast ausschließlich aus Chemikalien, die auch als Lösemittel
verwendet werden. In Nahrungsmitteln, vor allen Dingen den fetthaltigen, werden sie
bei Kontrollen immer häufiger gefunden. An vielen Arbeitsplätzen müssen die dort
Beschäftigten hohe Konzentrationen gesundheitsschädlicher Lösemittel ertragen. Weil
viele Lösemittel nur in hohen Konzentrationen, etwa an Tankstellen oder unmittelbar
nach Malerarbeiten, an ihrem Geruch zu erkennen sind, wissen wir oft gar nicht, dass
wir es mit ihnen zu tun haben. Schon wenige Tage nach Beendigung der Malerarbeiten ist
der typische Lösemittelgeruch verschwunden. Das ist aber noch längst kein Beleg für
saubere Luft; mit Hilfe von Analysen lassen sich oft noch Monate nach
Renovierungsmaßnahmen erhöhte Lösemittelkonzentrationen in der Raumluft nachweisen.
Auch lösemittelverseuchte Lebensmittel, wie perchlorethylenbelastetes Olivenöl, lassen
sich am Geschmack nicht erkennen.
Lösemittel sind aus ganz unterschiedlichen Gründen ins Gerede gekommen. Einmal aus
Gründen des Umweltschutzes - jährlich werden schätzungsweise 350.000 Tonnen dieser
Substanzen freigesetzt. Deren Abbauprodukte tragen, einmal in die Umwelt gelangt, zur
Bildung von Stickoxiden und damit zur Entstehung des "Sommersmogs" bei.
Außerdem schädigen einige Lösemittel die Ozonschicht. Vor allem aber sind Lösemittel
für HeimwerkerInnen gefährlich, denn für sie gibt es - anders als in industriellen
Lackieranlagen - kaum einen wirksamen Schutz vor den Dämpfen aus Farben, Lacken,
Abbeizern, Teppichklebern und Pinselreinigern. Und gerade im Handwerker- und
Hobbybereich werden immer noch oft Lacksysteme mit hohem Lösemittelanteil verwendet.
Ein normaler Kunstharzlack kann 50% Lösemittel enthalten, die sogenannten Nitrolacke
sogar bis zu 70%. Man muß es sich klarmachen: ein Liter eines konventionellen
Kunstharzlackes kann einen halben Liter Lösemittel enthalten. Dieser halbe Liter
verdunstet während des Verstreichens und beim Trocknen des Lackes vollständig. Einen
Teil davon atmen wir ein, wenn wir uns in einem Raum aufhalten, in dem ein solcher
Lack frisch verstrichen wurde. In der Tabelle auf Seite 5 finden Sie für die einzelnen
von uns nachgewiesenen VOC die wichtigsten bekannten Quellen zugeordnet.
Jeder, der in einem geschlossenen Raum einmal größere Flächen mit einem
lösemittelhaltigen Lack gestrichen hat, wird in irgendeiner Weise eine Wirkung dieser
Dämpfe gespürt haben. Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen, Benommenheit oder das
Auftreten von Allergien sind die typischen Folgen, wenn Lösemitteldämpfe eingeatmet
werden. Im Extremfall kann Bewusstlosigkeit auftreten, selbst Todesfälle gibt es immer
wieder. Dauerhafte Schäden können am zentralen Nervensystem und an inneren Organen
auftreten. In der Öffentlichkeit bekannt wurden die als "Malerkrankheit"
bezeichneten Hirnschädigungen, die in Dänemark bis 1983 bei mehr als 700 Frauen und
Männern als - durch Lösemittel verursachte - Berufskrankheit anerkannt wurden.
Unterschiede im Sortiment
Die beschriebenen allgemeinen Giftwirkungen sind grundsätzlich allen Lösemitteln
eigen. Doch gibt es durchaus Unterschiede in der Giftigkeit der einzelnen Stoffe. Vor
allem dann, wenn keine ungiftigen lösemittelfreien Produkte als Alternative zur
Verfügung stehen, kann die Zusammensetzung des Lösemittels ein wichtiger Prüfstein
sein. Im Folgenden soll daher auf einige Lösemittelgruppen hinsichtlich ihrer
Giftigkeit und teilweise auch ihrer Einsatzgebiete näher eingegangen werden.
Aromatische Lösemittel
Aromaten wie Toluol, Ethylbenzol oder Xylole werden hauptsächlich in Nitro- und
Kunstharzlacken als Verdünner eingesetzt. Auch bestimmte Dispersionskleber für
Bodenbeläge oder Abbeizer können aromatische Lösemittel enthalten. Sie werden über
die Atemwege und in geringerem Umfang über den Magen-Darmtrakt aufgenommen. Auch über
die Haut können - vor allem beim direkten Umgang mit Lacken und Lösemitteln -
erhebliche Mengen absorbiert werden. Auf keinen Fall sollte man sich Lack- oder
Kleberreste mit Lösemitteln von der Haut abwaschen! Toluoldämpfe schädigen das
Nervensystem, was sich an Symptomen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwächegefühl,
Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen zeigen kann. Xylole wirken ähnlich und
können darüber hinaus Blutbildveränderungen, eine Tendenz zu Früh- und Fehlgeburten
sowie Sterilität bewirken. Benzol darf übrigens als Lösemittel nicht mehr verwendet
werden, da es sich als krebserzeugend erwiesen hat. Aromaten, vor allem Toluol, sind
aufgrund ihrer vielfältigen Anwendung in fast jeder Raumluft nachweisbar.
Aliphatische Lösemittel
Dies ist die Bezeichnung für eine Gruppe von chemisch recht stabilen Chemikalien, die
neben den aromatischen Lösemitteln sehr häufig als Lackverdünner eingesetzt werden.
Hexan, Oktan, Dekan, Dodekan sind die Namen einiger Einzelstoffe aus dieser
Chemikalienfamilie. Petrolether, Siedegrenzenbenzin und Testbenzin sind
Sammelbezeichnungen für Gemische dieser Substanzen mit unterschiedlichen Siedepunkten.
Bis zu 0,1% des krebserzeugenden Benzols dürfen diese Gemenge nach der Gefahrstoff-
Verordnung als Verunreinigung enthalten. Testbenzin enthält außer aliphatischen
Lösemitteln bis zu 10% Xylol und 1% Toluol. Aliphatische Lösemittel reizen die
Schleimhäute, können zu Erbrechen führen und in sehr hohen Konzentrationen vor allem
beim Verschlucken Lungenentzündung hervorrufen. Schädigungen des zentralen
Nervensystems z. B. durch n-Hexan sind ebenfalls möglich. In der Raumluft sind sie,
meist in etwas geringeren Konzentrationen als die aromatischen Lösemittel, häufig
nachweisbar.
Iso-Aliphaten (Iso-Paraffine, Iso-Alkane)
Isoaliphatische Lösemittel, auch Isoparaffine genannt, gehören zu den aliphatischen
Lösemitteln. Im Unterschied zu den geradkettig aufgebauten n-Alkanen weisen sie in
ihrer Molekülkette Verzweigungen auf. Man nennt diese verzweigten Verbindungen
isomere Aliphaten oder kurz Iso-Aliphaten. Dass sie hier gesondert aufgeführt sind,
hat einen Grund: Iso-Aliphaten werden von einigen Naturharzlack-Herstellern anstelle
von Terpenkohlenwasserstoffen als Lösemittel verwendet. Als Begründung wird von den
Herstellern ein gegenüber den Terpenen geringeres allergenes Potenzial und ihre
angebliche Ungiftigkeit genannt. Zumindest die Behauptung, Iso-Aliphaten seien
ungiftig, hält einer kritischen Betrachtung nicht stand. Die Dämpfe der Iso-
Aliphaten verursachen Reizungen der Augen und Atemwege, Kopfschmerzen, Schwindel und
Störungen des Zentralnervensystems. Geringste Mengen, die bei Verschlucken oder
nachfolgendem Erbrechen in die Lunge gelangen, können zu Lungenödem oder zu einer
Lungenentzündung führen.2 Iso-Aliphaten sind Substanzgemische, deren
genaue Zusammensetzung offenbar nicht einmal den Herstellern bekannt ist. So
antwortete die Firma EXXON CHEMIKAL GmbH auf die Frage nach der Zusammensetzung
ihres Iso-Aliphaten-Gemisches "Isopar" lediglich mit der Auflistung der
Kohlenstoffzahl der enthaltenen Verbindungen. Charakteristisch für Iso-Aliphaten ist
aber die große Variationsbreite der in den Gemischen vorkommenden Verbindungen mit
gleicher Kohlenstoffzahl, da einer einzigen Summenformel eine Vielzahl von Isomeren
mit unterschiedlichen chemischen, physikalischen und auch toxikologischen
Eigenschaften zuzuordnen ist. So gibt es für die aliphatische Verbindung
"Dekan" mit 10 Kohlenstoffatomen 75 Isomere. Für die aliphatische
Verbindung "
Eicosan" mit 20 Kohlenstoffatomen gibt es bereits über 300.000 Isomere! Ein
Vielstoffgemisch, wie es Iso-Aliphaten darstellen, pauschal als "ungiftig"
zu bezeichnen, ist schon aus diesem Grund nicht haltbar. Die Dämpfe der Iso-
Aliphaten sind zudem geruchsarm bis geruchslos, so dass die bei herkömmlichen
Lösemitteln oder auch Terpengemischen gegebene Warnwirkung entfällt. Hinzu kommt,
dass zur Herstellung von Iso-Aliphaten zahlreiche Prozessschritte mit Verbrauch von
u.a. Erdöl und Energie sowie Anfall von giftigen Abfällen nötig sind. Typische
Vertreter für Iso-Aliphaten sind z. B. Heptamethylnonan oder Pentamethylheptan.
Chlorierte Lösemittel
Chlorierte Lösemittel wurden unter anderem zum chemischen Reinigen (Perchlorethylen),
zum Abbeizen (Dichlormethan) und als Lösemittel in Korrekturflüssigkeiten (1,1,1-
Trichlorethan) verwendet. Chlorierte Lösemittel gehören zu den für Umwelt und
Gesundheit schädlichsten Chemikalien überhaupt. Sie sind, wie andere Lösemittel
auch, Nervengifte und wirken narkotisierend, darüber hinaus sind sie mehr oder
weniger starke Organgifte, die vor allem Leber und Nieren schädigen. Bei der
Zersetzung z.B. an heißen Oberflächen oder bei Bränden, entsteht aus den
chlorierten Lösemitteln unter anderem Salzsäure und das auch als Kampfstoff
eingesetzte Phosgen. Die extrem giftigen polychlorierten Dibenzodioxine können
ebenfalls gebildet werden. Chlorierte Lösemittel werden vor allem ihrer
Unbrennbarkeit wegen in chemischen Reinigungen eingesetzt. Sie sind chemisch sehr
stabil und werden, nachdem sie einmal in die Umwelt gelangt sind, oft
jahrzehntelang nicht abgebaut. Einige Vertreter dieser Stoffklasse, vor allem das
als relativ ungiftig bezeichnete 1,1,1-Trichlorethan, schädigen - ähnlich den
Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) - die Ozonschicht. Insbesondere in der
Raumluft von an chemische Reinigungen angrenzenden Wohnungen und in Büros, in denen
Korrekturflüssigkeiten in großen Mengen verbraucht werden, sind chlorierte
Lösemittel manchmal in hohen Konzentrationen nachweisbar. Fettreiche Lebensmittel
wie Schokolade und Butter, die in solchen Räumen gelagert werden, nehmen die
chlorierten Lösemittel aus der Raumluft auf und reichern sie an. Angesichts der
Gefahren für Umwelt und Gesundheit sollte die Verwendung dieser Lösemittel völlig
vermieden werden.
Alkohole, Ketone, Ester
Diese Substanzgruppen sind in vielen lösemittelhaltigen Zubereitungen enthalten.
Leichtflüchtige Alkohole findet man z. B. häufig in Reinigungs- und Pflegemitteln.
Im Vergleich zu anderen Lösemitteln fällt die ausgeprägte Reizwirkung vieler
Alkohole, Ketone und Ester auf.
Alkohole wie Butanol und Isobutanol werden als Lösemittel und zur Verbesserung der
Verlaufsfähigkeit und des Glanzes in konventionellen Kunstharzlacken (z.B.
Alkydharzlacken) und aufgrund ihrer Wasserlöslichkeit zunehmend in wässrigen
Lacksystemen, Wandfarben und Bodenbelagsklebern eingesetzt. Neben der narkotischen
Wirkung können die Dämpfe Leber, Nieren, Gehirn und Nerven schädigen. Viele
Alkohole reizen Augen, Haut und Schleimhäute bereits in geringen Konzentrationen.
Methylethylketon, abgekürzt MEK, ist wie Cyclohexanon ebenfalls häufiger
Bestandteil von Lösemitteln. Die Giftwirkung der Ketone ähnelt derjenigen der
Alkohole.
Ethylacetat und Butylacetat gehören zur Gruppe der Essigsäureester und werden als
Lösemittel oft in Kombination mit Alkoholen eingesetzt. Polyurethanlacke, wie sie z.
B. zur Versiegelung von Holzfußböden verwendet werden, enthalten sehr oft
leichtflüchtige Essigsäureester. Essigsäureester sind schleimhaut- und augenreizend,
können Gehirn und Nerven schädigen und wirken in höheren Konzentrationen
narkotisierend. Sie sind häufig an ihrem charakteristischen durchdringend-
fruchtigen Geruch erkennbar.
Siloxane
Ein relativ neuer Rezepturbestandteil in Lacken, z.B. für Möbeloberflächen, sind
flüchtige Siliciumverbindungen vom Siloxan-Typ. Sie werden nach Angaben von
einigen Lackherstellern u.a. als Additive zur Verminderung der
Grenzflächenspannung, zur Verbesserung des Verlaufs und der Pig-mentnetzung sowie
zur Erhöhung der Kratzfestigkeit eingesetzt. Ein Vorteil der Siloxane aus der
Sicht der Lack- und Möbelhersteller ist sicher ihre vollkommene Geruchlosigkeit.
Während bei konventionellen Lösemitteln deren Geruch häufig Anlass von Beschwerden
und Reklamationen z.B. beim Möbelkauf ist, entfällt diese warnende Wirkung, wenn
stattdessen Siloxane als Lösemittel verwendet werden. Wenn keine technischen oder
wirtschaftlichen Gründe dagegen stehen, werden Siloxane daher in Zukunft
vermutlich häufiger als Lösemittel eingesetzt werden.
Obwohl Siloxane von uns seit einigen Jahren häufig bei Laboruntersuchungen in den
Chromatogrammen von Raumluftuntersuchungen identifiziert werden, ist ihnen bisher
wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Grund dafür war die Annahme, dass es sich
dabei um Verunreinigungen, sogenannte Blindwerte, aus siliconhaltigen
Labormaterialien wie Schläuchen, Septen und Dichtungen oder silanisierten
Glasoberflächen handelt. Diese Annahme ist nicht mehr aufrecht zu erhalten. Es ist
nachgewiesen, dass flüchtige Siliciumverbindungen in erheblichem Umfang z.B. aus
Möbeln ausgasen und so in die Raumluft gelangen.
Flüchtige Siloxane in der Innenraumluft kommen zum Teil in erheblichen
Konzentrationen (bis > 100 µg/m3) vor. Die Siedepunkte der bisher von
uns in Raumluft nachgewiesenen cyclischen Methyl-Siloxane liegen zwischen ca.
170°C und über 220°C. Es handelt sich um methylierte Cyclotri-, Cyclotetra- und
Cyclopentasiloxane.
In der von uns ausgewerteten Literatur sind keine Hinweise über die Toxizität
flüchtiger Siliciumverbingungen im Niedrig-Dosis Bereich enthalten, so dass die
Bewertung von Innenraumkonzentrationen schwierig ist. Im Umwelt-Survey des
Instituts für Wasser-, Boden- und Lufthygiene des Bundesgesundheitsamtes3
ist diese Substanzgruppe nicht berücksichtigt.
Natürliche Lösemittel
Als Alternativen zu den herkömmlichen Lösemitteln werden häufig Citrusterpene und
Balsamterpentinöle empfohlen. Hinsichtlich der Gesundheitsgefahren sind diese
Stoffe nicht harmlos. Natürliche Lösemittel können, in größeren Mengen eingeatmet,
akute Symptome wie Schleimhautreizungen und Rauschzustände bewirken. Die
allergisierende Wirkung einer Reihe von natürlichen Lösemitteln ist bekannt, für
ihre Abbauprodukte wird ein krebserzeugendes Potenzial diskutiert. Trotzdem sind
natürliche Lösemittel in vielen Fällen eine wichtige Alternative zu den
konventionellen Verdünnern. Das gilt vor allem dann, wenn sie Bestandteil von
Lacken sind, die auch sonst konsequent aus natürlichen Rohstoffen hergestellt sind.
Solche Anstrichmittel belasten die Umwelt allein schon bei der Produktion
entscheidend weniger, als die auf synthetischem Wege hergestellten Fabrikate. Die
Rohstoffe sind weitgehend natürlicher Herkunft und größtenteils erneuerbar -
anders als die Rohstoffe konventioneller Lacke, auch derjenigen mit dem blauen
Engel. Bei der Herstellung fallen kaum giftige Nebenprodukte an, während die
Produktion konventioneller Lacke mit zu den größten Lieferanten hochgiftigen
Sondermülls zählt. Schließlich kann man naturlackgestrichenes Holz im Unterschied
zu beispielsweise mit Alkydharzlack gestrichenem bedenkenlos verbrennen.
Darüberhinaus gibt es inzwischen auch eine Reihe von wasserlöslichen
Naturharzfarben, die weitgehend auf Citrusterpene verzichten.
Vorsicht ist immer geboten
Über all diesen unbestreitbaren Vorteilen der Naturharzlacke darf aber nicht
vergessen werden, dass bei der Verarbeitung dieser Materialien die gleichen
Vorsichtsmaßnahmen zu treffen sind wie bei jedem x-beliebigen Chemielack:
- Vor Beginn von Renovierungsarbeiten sollte genau überlegt werden, welche Arbeiten
mit lösemittelhaltigen Materialien unumgänglich sind. Je weniger mit Lacken,
Klebstoffen und Pinselreinigern hantiert wird, um so geringer ist die
Raumluftbelastung mit den in ihnen enthaltenen Lösemitteln.
- Möglichst im Freien malern! Wenn das nicht möglich ist, muß unbedingt für gute
Durchlüftung gesorgt werden.
- Malerarbeiten bevorzugt während der warmen Jahreszeit durchführen (dann lüftet
sich`s leichter), im Notfall beim Malern Atemschutz tragen, frischgestrichene Räume
mindestens eine Woche, besser vier Wochen "ausstinken" lassen. Wenn jemand aus der
Nachbarschaft die Fenster auf- und zumachen kann, ist der Beginn von großen Ferien im
Sommer, kurz bevor es auf Urlaubsreise geht, ein idealer Zeitpunkt für umfangreichere
Malerarbeiten zuhause.
- Lösemittelarme oder -freie Produkte sollten immer dann verwendet werden, wenn
sichergestellt ist, dass anstelle der Lösemittel keine anderen umwelt- und
gesundheitsschädlichen Substanzen hin-zugefügt wurden. Ansonsten sind Farben und
Lacke auf natürlicher Rohstoffbasis eine gute Alternative.
Die beschriebenen Stoffe stellen mit ihren Giftwirkungen nur einen kleinen
Ausschnitt dessen dar, was unter dem harmlosen Etikett "Lösemittel"
verkauft wird. Jeder beliebige Lack kann diese oder ähnliche Substanzen und alle
möglichen Mischungen davon enthalten. Und die Lösemittel, die in der Lackdose waren,
finden wir nach dem Verarbeiten in der Atemluft wieder. Nun ist bekannt, dass beim
Verstreichen eines Lackes oder beim Verkleben eines Teppichbodens Lösemittel
verdampfen und eingeatmet werden; der charakteristische Geruch von Lösemitteln ist
dafür ein sicheres Zeichen. Doch ist es ein Irrtum zu glauben, dass die Lösemittel
vollständig aus der Atemluft verschwunden sind, wenn der Geruch nicht mehr
registriert wird. Untersuchungen belegen vielmehr, dass noch Wochen und Monate nach
der Anwendung lösemittelhaltiger Lacke oder Kleber die flüchtigen Gifte in der
Atemluft in erhöh-ten Konzentrationen vorhanden sind. Aus einem PVC-Fußbodenbelag
beispielsweise, der mit einem "umweltfreundlichen" Dispersionskleber
verlegt wurde, können noch Monate nach dem Verkleben große Mengen Toluol an die
Raumluft abgegeben werden. Lösemittel sind nicht nur - wie erwartet - in Materialien
wie Lacken, Klebstoffen oder Pinselreinigern enthalten. Viele Dinge des täglichen
Lebens, mit denen wir ständig umgehen, enthalten flüchtige organische Substanzen,
ohne dass wir es vermuten. Wer denkt schon an Lösemittel, wenn beim Abwasch die "
wilde Frische von Limonen" aus dem Spülmittel den Geruchssinn betört? Tatsache
ist, dass der natürliche Geruchsstoff namens Limonen auch als Lösemittel eingesetzt
wird und Gesundheitsschäden hervorrufen kann. Oder wer denkt an Perchlorethylen, wenn
der frisch aus der chemischen Reinigung abgeholte Wintermantel in den Kleiderschrank
im Schlafzimmer gehängt wird? Perchlorethylen schädigt Nerven und innere Organe,
steht unter dem Verdacht, Krebs zu erzeugen und wird in chemischen Reinigungen als
Waschmittel eingesetzt. Mit den frisch gereinigten Kleidungsstücken kommt das Gift in
die Wohnung, wo es nur langsam ausgast. Auch neue Möbel können die Raumluft für
längere Zeit mit Lösemitteldämpfen belasten: Lacke und Kleber, bei der
Möbelherstellung verwendet, dünsten im heimischen Wohnzimmer aus. Oft hält diese
Belastung, schon am Geruch erkennbar, wochenlang an. Besonders Baukastenmöbel, die
gleich nach der Herstellung in Plastikfolie luftdicht verpackt wurden und erst zu
Hause zusammengebaut werden, führen oft zu Beschwerden.
Dies sind nur wenige Beispiele für eine Vielzahl von Materialien und Gegenständen,
aus denen die unterschiedlichsten Lösemittel ausgasen und die Raumluft belasten
können. Längst nicht alle Quellen für Lösemittel in Innenräumen sind bekannt; immer
wieder werden selbst Fachmenschen verblüfft, weil scheinbar unverdächtige Gegenstände
ich plötzlich als Ursache für die Lösemittelbelastung in Wohnräumen erweisen. So hat
sich vor einigen Jahren gezeigt, dass frisch gedruckte Zeitungen und Zeitschriften
erheblich zur Raumluftbelastung beitragen können. Der Grund: auch Druckfarben
enthalten Lösemittel, die nur langsam ausgasen. Wo
Zeitungen und Zeitschriften in
größeren Mengen lagern, in Zeitungsläden und Buchhandlungen etwa, kann die Belastung
so hoch sein, dass vor allem fettreiche Lebensmittel erhebliche Mengen der giftigen
Chemikalien aufnehmen. Mehr durch Zufall als durch systematische Suche entdeckt,
überraschte dieser Fund die ExpertInnen. Weitere Überraschungen sind zu erwarten. Das
"Gift, das aus der Zeitung kommt" wird nicht die letzte gewesen sein.
2Baumann, W.: Farben und Lacke: Daten und Fakten zum Umweltschutz.
Springer 1997
3Krause C. et al.: Umwelt-Survey, Band IIIc: Wohn-Innenraum: Raumluft;
WaBoLu-Hefte 4/1991
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1.2 Glykole und Glykolderivate, Aldehyde, Weichmacher
Luftanalytik: Die Analyse von Glykolverbindungen, höheren Aldehyden und
Weichmachern entspricht im Wesentlichen der Analytik für vorwiegend unpolare VOC.
Wichtigster Unterschied: als Desorptionsmittel wird anstelle von
Schwefelkohlenstoff ein Gemisch aus Dichlormethan und Methanol ver-wendet, da mit
Schwefelkohlenstoff die Glykolverbindungen und die Aldehyde nicht vollständig von
der Aktivkohle heruntergelöst werden. Analytischer Nachweis mit Hilfe eines mit
einem Massenspektrome-ter gekoppelten Gaschromatographen (GC/MS). Die
Bestimmungsgrenze ist für die einzelnen Glykole sehr unterschiedlich und beträgt
bei 100 Liter Sammelvolumen zwischen 1 und 25 µg/m³ pro Substanz.
Materialanalytik: Materialproben werden zur Untersuchung auf
Glykolverbindungen, höhere Aldehyde und Weichmacher in einem kleinen Prüfraum bei
60 °C zwei Stunden lang im Gasstrom extrahiert. Der beladene Extraktionsgasstrom
wird über ein Aktivkohle-Sammelröhrchen geleitet. Der weitere Analy-sengang
entspricht der Luftanalytik.
Glykolverbindungen
Glykolverbindungen werden seit einigen Jahren zunehmend als Lösemittel eingesetzt.
Sie werden hier jedoch von den Lösemitteln getrennt behandelt, weil sie einige
besondere Eigenschaften aufweisen.
Glykole sind meist als Lösemittel in "Wasserlacken" enthalten. Bis zu 10
Prozent der schädlichen Chemikalien, das erlaubt das Umweltbundesamt, dürfen in
Lacken enthalten sein, die den "blauen Engel" verliehen bekommen. Das
klingt zwar erstmal nicht viel im Vergleich zu konventionellen Lacken, die 50%
Lösemittel und mehr enthalten können. Aber: den Umweltengel auf der Dose halten
viele Verbraucher für einen Freibrief zum sorglosen Gebrauch des Inhalts. Und damit
liegen sie falsch. Lösemittel in Wasserlacken sind keineswegs harmlos. Teilweise
stehen sie in Ihrer Giftigkeit den kon-ventionellen Lösemitteln nicht nach. Eine
Reihe von Glykolverbindungen (präzise: die Ethylenglykol-ether und ihre Acetate)
haben sich im Tierversuch als "embryotoxisch" und "Missbildungen
erzeugend" und darüber hinaus die "Fortpflanzungsorgane schädigend"
erwiesen. Da die giftigen Abbauprodukte dieser Substanzen nach der Aufnahme nur
langsam aus dem Körper ausgeschieden werden, können sie sich bei langandauernder
Exposition im Körper anreichern. 2-Butoxyethanol, ein in Wasserlacken häufig
verwendetes Lösemittel, ist nicht nur augenreizend und gesundheitsschädlich beim
Einatmen, Verschlucken und Berühren mit der Haut, sondern führt darüber hinaus zu
Schädigungen im Blutbild und steht unter dem Verdacht, Leber und Nieren zu
schädigen.
Manche Glykolverbindungen verdunsten nur extrem langsam. Sie können über Jahre
hinweg aus gestrichenen Oberflächen ausgasen und die Raumluft belasten. Davon merkt
der Bewohner oder die Bewohnerin allerdings nicht viel: schon kurze Zeit nach dem
Verstreichen sind die Lösemitteldämpfe nicht mehr zu riechen.
Glykole haben einige Eigenschaften, die sie für die Verwendung als Lösemittel in
Wasserlacken besonders attraktiv machen: im Unterschied zu den
"klassischen" Lösemitteln wie Toluol, Xylol oder Testbenzin mischen sie
sich in der Regel leicht mit Wasser. Das ist natürlich für einen Lack, in dem
Wasser das Hauptlösemittel darstellt, von besonderer Bedeutung, zumal die in
Wasserlacken enthaltenen Bindemittel sich eigentlich nicht in Wasser lösen. Glykole
verdampfen nur langsam, so dass die Raumlufkonzentrationen beim Verstreichen
niedriger liegen als bei Verwendung konventioneller Lösemittel. Der Geruch der
konventionellen Lösemittel wird von vielen Verbrauchern mittlerweile als giftig und
ungesund empfunden; Glykole riechen nur schwach und dazu noch ganz anders als
beispielsweise Toluol und Testbenzin. Und nicht zuletzt: die wenigen existierenden
Grenzwerte für Glykole liegen so hoch, dass die Kennzeichnungspflicht für ihre
Produkte von den Lackherstellern leicht zu umgehen ist.
Ein weiteres Problem, welches durch die Verwendung von Glykolen als Lösemittel
entstehen kann, sind sogenannte Sekundärkontaminationen. Sie entstehen, wenn
relativ schwerflüchtige Substanzen über lange Zeit hinweg die Luft in einem Raum
belasten und sich nach und nach auf ursprünglich unbelasteten Wänden, Fußböden und
in Textilien niederschlagen. Bekannt sind solche Sekundärkontaminationen aus
Häusern, in denen Oberflächen mit Holzschutzmitteln behandelt wurden. Einige Jahre
nach der Behandlung konnten Wirkstoffe wie Pentachlorphenol (PCP) und Lindan auch
in nicht behandelten Tapeten, Vorhängen und Fußbodenbelägen nachgewiesen
werden.
Sind Sekundärkontaminationen vorhanden, kann es extrem schwierig sein, die
Raumluftbelastung zu vermindern. Selbst das vollständige Entfernen der behandelten
Gegenstände oder Oberflächen reicht oft nicht aus. Die von den großflächigen
Sekundärkontaminationen ausgehende Belastung ist dann nur unter großem Aufwand und
mit hohen Kosten einigermaßen zu beseitigen.
Einige hochsiedende Glykolverbindungen mit Siedepunkten über 200 °C werden seit
einigen Jahren besonders gerne in Klebern für Bodenbeläge verwendet. Der Grund: im
Oktober 1994 wurde die Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS) Nr. 610
überarbeitet. In diesem Regelwerk, welches die Anforderungen der
Gefahrstoffverordnung im Detail formuliert, werden als Lösemittel kurzerhand nur
noch solche Chemikalien definiert, deren Siedepunkt unter 200°C liegt. Hersteller
von Bodenbelagsklebern, deren Produkte z. B. 3 % der Glykolverbindung
2-Phenoxyethanol (EGMP) enthalten (Siedepunkt: 245°C), dürfen diese als
"lösemittelfrei" bewerben. Wer einen solcherart
"lösemittelfreien" Kleber verwendet, hat anschließend häufig ein Problem:
Räume, in denen vor mehr als drei Monaten Auslegeware mit solchen Klebern verlegt
worden war, wiesen nach eigenen Messungen Raumluftkonzentrationen bis zu 400
µg/m3 2-Phenoxyethanol auf. Die TRGS 610 schreibt daher vor, den Begriff
'lösemittelfrei' nur in Verbindung mit der Lösemitteldefinition oder einem Hinweis
auf die TRGS 610 zu verwenden.
Folgende Quellen für Glykolverbindungen in Innenräumen finden sich in der
Literatur: Lösemittel in Wasserlacken und konventionellen Kunstharzlacken,
Wandfarben, Tiefgrund, Teppich- und PVC-Klebern
(auch "lösemittelfreie"!), Feuchthaltemittel z.B. in Tabak, Papier,
Gelatine, Fassaden- und Lackabbeizer, Tinte von Tintenstrahldruckern,
Fußbodenpflegemittel, Möbelpolituren, Druckfarben.
Aldehyde und Weichmacher
Neben der Probenahme auf DNPH/Silica-Sammelkartuschen können eine Reihe von höheren
Aldehyden und Weichmacher auch über Adsorption an Anasorb 747 beziehungsweise an
Tenax TA analysiert werden. Informationen zu höheren Aldehyden und Weichmachern
finden Sie im Kapitel Formaldehyd und höhere Aldehyde bzw.
Weichmacher.
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1.3 Mikrobiologisch erzeugte flüchtige organische Verbindungen
(MVOC)
Luftanalytik: Die Analyse von MVOC mittels Lösemitteldesorption
entspricht im Wesentlichen der Analytik der Glykole und Glykolderivate. Die
Sammlung erfolgt auf Anasorb 747, als Desorptionsmittel wird ein Gemisch aus
Dichlormethan und Methanol verwendet. Analytischer Nachweis mit Hilfe eines mit
einem Massenspektrometer gekoppelten Gaschromatographen (GC/MS). Die
Bestimmungsgrenze ist von Substanz zu Substanz unterschiedlich. Neben einem
substanzspezifischen Responsefaktor spielt vor allem das Vorhandensein störender
VOC in der untersuchten Raumluft eine Rolle. Bei einem Sammelvolumen von 240 Litern
Raumluft liegt die Bestimmungsgrenze in der Regel zwischen 30 und 100
ng/m3.
Bei der Analyse von MVOC mittels Thermodesorption erfolgt in Anlehnung an VDI 2100
Bl.3 bzw. VDI 3482 Bl.1 und Bl.6 die Probenahme auf Sammelröhrchen, die mit dem
Adsorptionsmittel TENAX TA gefüllt sind. Diese Röhrchen können in speziellen
Transportbehältern zusammen mit einer detaillierten Probenahmeanleitung von ALAB
bezogen werden. Die Röhrchen werden mit mindestens 2 Litern Luft bei einem
Volumenstrom von ca. 100 ml/min beladen. Die Analyse erfolgt nach thermischer
Desorption gaschromatographisch mit massenselektivem Detektor. Da sich die
Bestimmungsgrenzen meistens nach dem Vorhandensein anderer störender VOC in der
Raumluft richten, die sich mit den nachzuweisenden MVOC überlagern, liegt die
Nachweisgrenze in der Regel ebenfalls bei 30 bis 100 ng/m3 pro Substanz.
Die Vorteile gegenüber der Lösemitteldesorption besteht in kürzeren
Probenahmezeiten und einer umfangreicheren Untersuchungspalette. Beispielsweise
lässt sich Dimethylsulfid nur mit Thermodesorption nachweisen, da es bei der
Lösemitteldesorption unter dem Lösemittelpeak liegt.
Mikroorganismen wie Schimmelsporen und Bakterien finden sich in Innenräumen auf
jeder Oberfläche. Für ihr Wachstum und die Vermehrung benötigen sie Nährstoffe und
vor allem Feuchtigkeit. Nährstoffe sind in den meisten Materialien, die zum Bau,
zur Dekoration und zur Einrichtung von Wohnungen und Häusern verwendet werden,
reichlich vorhanden. Von Schimmelpilzen und Bakterien verwertbare Nährstoffe sind
überwiegend aus Kohlenstoff und Wasserstoff aufgebaut, zudem enthalten sie oft
Sauerstoff und Stickstoff. Tapeten, Holz, Spanplatten, Papier, Gipskartonplatten,
Kork, Dichtungsmassen, Textilien und manche Kunststoffe enthalten Nährstoffe, die
von vielen Schimmelpilzen zum Wachstum und zur Vermehrung genutzt werden können.
Kommt noch genügend Feuchtigkeit hinzu, ist das Schimmelwachstum
vorprogrammiert.
Auch Materialien, die eigentlich nicht als Nahrungsgrundlage geeignet sind, können
verschimmeln. So bildet sich selbst auf Glasscheiben manchmal Schimmel; ein
Feuchtigkeitsfilm, angereichert mit Nährstoffen, die aus anderen Materialien
verdampfen und sich auf der Glasoberfläche niederschlagen, ermöglicht das Wachstum.
Eigentlich unverdauliche Gegenstände aus PVC können verschimmeln: PVC-Duschvorhänge
beispielsweise enthalten große Mengen an Weichmachern, die wiederum hervorragende
Nährböden für Schimmelpilze darstellen. Die nötige Feuchtigkeit ist bei
Duschvorhängen fast immer vorhanden.
Nicht sichtbare Schimmelschäden können zum Beispiel an Außenwänden hinter
Schränken, hinter diffusionsdichten Tapeten, in Hohlräumen von Leichtbauwänden oder
unter Bodenbelägen auftreten. Typische Ursachen nicht sichtbarer mikrobieller
Belastungen sind auch raumlufttechnische Anlagen. Gerade ältere Klimaanlagen werden
häufig nicht ausreichend gewartet. Luftfilter, die jahrelang nicht gewechselt
wurden, können von Schimmel regelrecht durchwachsen sein, die Luftkanäle können
durch Kondenswasser zu einer Brutstätte für Keime aller Art werden. Auch die
Wassertanks der Luftbefeuchter in manchen Klimaanlagen können bei unzureichender
Reinigung eine Quelle für Schimmelpilze oder Bakterien werden. Eine mikrobielle
Belastung ganz anderer Art lässt sich häufig schon am Geruch erkennen: in
Abwasserleitungen lebende Fäulnisbakterien bilden leichtflüchtige
Schwefelverbindungen wie Dimethylsulfid und Dimethyldisulfid. Deren extrem starker
Geruch nach faulen Eiern und Fäkalien ist ein Indikator für Undichtigkeiten oder
fehlende Verschlussstopfen an Abwasserleitungen oder ausgetrocknete
Geruchsverschlüsse von Abflüssen.
Seit einigen Jahren werden in Innenräumen zunehmend Luftuntersuchungen auf
flüchtige organische Verbindungen durchgeführt, die als MVOC, also von
Mikroorganismen produzierte flüchtige organische Verbindungen bezeichnet werden.
Die Hauptaktivität der Mikroorganismen richtet sich auf den Abbau komplexer
Nährstoffe zu einfacheren Verbindungen unter Bildung von Kohlendioxid und Wasser,
mikrobieller Biomasse und Energiegewinn für die Lebensprozesse. Während dieses
Um-/Abbaus werden eine ganze Reihe von Stoffwechselprodukten als flüchtige
Verbindungen abgegeben, die MVOC genannt werden. Diese MVOC (Microbial
Volatile Organic Compounds oder deutsch: mikrobielle flüchtige
organische Substanzen), sind häufig sehr geruchsintensiv und für die typischen
Schimmel- oder Bakteriengerüche verantwortlich. Aufgrund ihrer charakteristischen
chemischen Eigenschaften sind MVOC noch in geringsten Konzentrationen (teilweise in
nur wenigen Nanogramm pro Kubikmeter) gut wahrnehmbar. Häufig finden sich
Substanzen mit Doppelbindungen, Alkohole und Schwefelverbindun-gen unter den MVOC.
Der ungesättigte Alkohol 1-Octen-3-ol beispielsweise, ein Stoffwechselprodukt
vieler Schimmelpilze, riecht intensiv nach Pilzen. Er wird daher auch
"Champignol" genannt. Manche Bakterien scheiden Dimethyldisulfid aus,
eine durchdringend nach Fäkalien riechende schwefelhaltige Substanz.
Mit den Untersuchungen auf MVOC ist die Hoffnung verbunden, Schimmelschäden in
Wohnungen quantitativ nachweisen zu können. Der klassische Nachweis von
Schimmelschäden mit Hilfe luftgetragener Mikroorganismen leidet unter erheblichen
Einschränkungen, u.a. weil verdeckter Schimmelbefall oder im Material befindliche
Mikroorganismen nicht als luftgetragene Keime nachgewiesen werden können. Außerdem
wächst nur ein kleiner Teil der in der Luft vorhandenen Mikroorganismen als
"koloniebildende Einheiten" (KBE) heran. Die Analyse der von
Mikroorganismen produzierten MVOC - so die Behauptung - umgeht diese Probleme und
bietet einen weitaus besseren Indikator zum quantitativen Nachweis eines
Schimmelbefalls in Innenräumen4 . Neuere Untersuchungen zeigen jedoch,
dass die Interpretation der Ergebnisse von MVOC-Untersuchungen häufig problematisch
ist.
Im Jahr 2003 untersuchte das Robert-Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem
Institut für Hygiene und Umweltmedizin der FU Berlin und der ALAB GmbH im Rahmen
einer Feldstudie, ob sich mit Hilfe der Ergebnisse von MVOC-Messungen Wohnungen mit
Schimmelbefall von Wohnungen ohne Schimmelbefall statistisch zuverlässig
unterscheiden lassen5 . In 40 Schimmel- und 44 Nichtschimmelwohnungen
wurden die Raumluftkonzentrationen von 8 ausgewählten MVOC, raumklimatische
Faktoren, Schwebstaubkonzentrationen und der Luftwechsel bestimmt, die Merkmale der
Wohnräume protokolliert und die Daten statistisch ausgewertet.
Lediglich für zwei MVOC konnte ein Zusammenhang mit dem Schimmelstatus nachgewiesen
werden. Der Einfluss anderer Faktoren auf die Raumluftkonzentration an MVOC war
teilweise deutlich stärker. Bei der als Hauptindikator angesehenen Verbindung
3-Methylfuran erwies sich der Raucherstatus der Wohnung als hochsignifikanter
Einflussfaktor. Als weitere wichtige Einflussgrößen wurden die absolute Luftfeuchte
und die Luftwechselrate ermittelt.
Aufgrund der Ergebnisse dieser Studie sollten die untersuchten MVOC nur ergänzend
zu anderen Methoden als Indikatoren für einen mikrobiellen Befall verwendet werden,
da durch die Einflussgröße "Schimmelstatus der Wohnung" lediglich ein
Teil der Konzentrationsunterschiede (Gesamtvariabilität) der MVOC in der Raumluft
erklärt werden konnte. Erhebliche Beiträge lieferten andere, nicht mit dem
Schimmelstatus verbundene Einflussgrößen. Bei ausschließlicher Verwendung der MVOC
als Indikatoren besteht die Gefahr der Falschklassifikation. Damit bestätigen sich
Zweifel, die bereits in früheren Veröffentlichungen zur Eignung mikrobieller
flüchtiger organischer Verbindungen als alleinige Indikatoren für
Schimmelpilzbefall in Innenräumen geäußert wurden 6, 7. Wir empfehlen
daher, MVOC beim gegenwärtigen Stand des Wissens nur in Ergänzung zu anderen
Methoden als Indikatoren für Schim-melbefall heranzuziehen. Sinnvoll können
MVOC-Messungen darüber hinaus zur Identifizierung geruchsintensiver Substanzen
herangezogen werden.
In der Literatur findet man eine Vielzahl von Hinweisen zu Quellen für
bestimmte VOC. Wir haben uns bei der Liste, die Sie in der
PDF-Version
auf der Seite 45 im Infoteil finden, bewusst auf Substanzen
beschränkt, die wir aufgrund eigener Erfahrungen den angegebenen Quellen zugeordnet
haben.
4Lorenz, W.: Zur Bewertung von MVOC-Messungen im praktischen Einsatz.
Zeitschrift für Umweltmedizin 9 (1) 33 - 37 (2001)
5Laußmann, D.; Eis, D.; Schleibinger, H.: Vergleich mykologischer und
chemisch-analytischer Labormethoden zum Nachweis von Schimmelpilzbefällen in
Innenräumen. Bundesgesundheitsbl. Gesundheitsforsch. Gesund-heitsschutz 47 (11)
1078 - 1094 (2004)
6Sagunski, H.: Mikrobielle flüchtige organische Verbindungen:
Expositionsindikatoren bei Schimmelpilzbefall in Innenräumen? Umweltmed Forsch Prax
2 (2) 95 - 100 (1997)
7Mierau, M.: Stellenwert von MVOC-Untersuchungen in der Baubiologie.
Manuskript zum Vortrag von Dr. Man-fred Mierau (Baubiologie Maes) beim 1.
Expertenseminar "Baubiologische Messtechnik" am 2.11.2001 in
Fulda-Loheland.
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2 Phenole und Kresole
Luftanalytik: Die Analyse von Phenolen und Kresolen wird nach DIN ISO
16000-6 durchgeführt. Die Probenahme erfolgt auf
Sammelröhrchen, die mit dem Ad-sorptionsmittel TENAX TA gefüllt sind. Diese Röhrchen
werden in speziellen Transportbehältern zusammen mit einer detaillierten
Probenahmeanleitung von ALAB bezogen. Die Röhrchen werden mit 2 Liter Luft bei einem
Volumenstrom von ca. 100 ml/min beladen. Die Analyse erfolgt nach thermischer
Desorption gaschromatographisch mit massenselektivem Detektor. Bestimmungsgrenze: 0,5
µg/m3 (bei einem Probenahmevolumen von 2 Litern).
Materialanalytik: Materialproben werden zur Untersuchung auf Phenole und
Kresole in einem kleinen Prüfraum bei 60°C zwei Stunden lang im Reingasstrom
extrahiert. Der beladene Extraktionsgasstrom wird durch ein TENAX TA-Sammelröhrchen
geleitet. Der weitere Analysengang entspricht der Luftanalytik.
Viele Phenole und Kresole wirken fungizid und bakterizid. Sie wurden daher als
Wirkstoffe in Desinfektionsmitteln und zur Konservierung z.B. von Leim, Klebstoffen
und Tinten eingesetzt. Mit Siedepunkten von um die 200 °C und darüber (4-Chlor-m-
kresol: Sdp. 235°C; 3-Chlor-p-kresol: Sdp. 228°C; 6-Chlor-m-kresol: Sdp. 196°C)
gehören viele dieser Wirkstoffe zu den mittel- bis schwerflüchtigen Substanzen, die
über längere Zeiträume hinweg ausgasen können.
Auch zur Herstellung von Kunststoffen und wasserfesten Bindemitteln werden Phenole
verwendet. Vor allem manche mit Phenolharzen gebundene Spanplatten können in
Innenräumen eine Quelle für Phenole darstellen.
Bodenbelagskleber auf Basis phenolhaltiger Klebstoffe waren vor allem in der DDR in
den 50er und 60er Jahren gebräuchlich. Besonders beim Entfernen alter Bodenbeläge
kommt es daher immer wieder zu massiven Geruchsbelästigungen durch ausgasende Phenole.
In einer Studie8 wurden in mehreren Ostberliner Altbauten
Raumluftmessungen und Untersuchungen der Bausubstanz auf Phenole durchgeführt. Anlass
waren Beschwerden der Nutzer und der am Bau Beteiligten über Geruchsbelästigungen,
Kopfschmerzen und Übelkeit. Mit den durchgeführten Untersuchungen konnten die
bauseitigen Ursachen für den Fehlgeruch ermittelt werden. Als Hauptursache wurde ein
auf Phenolharzbasis hergestellter Kleber ermittelt werden. Der Einsatz phenolhaltiger
Grundierungen sowie Desinfektionsmittel zur Flächenreinigung wurden ebenfalls als
Quelle in Betracht gezogen. Die Belastung von Bodenbelägen, Ausgleichsschichten und
Estrichen wurde auf eine Sekundärkontamination durch die Verwendung phenolhaltiger
Kleber bzw. Desinfektionsmittel zurückgeführt.
Bodenbeläge aus einem Gemisch von Holzschnitzeln und mineralischem Bindemittel - sog.
Steinholzestrich - können nach neueren Erkenntnissen ebenfalls eine Quelle für
geruchsintensive Phenole in der Raumluft darstellen. Das Holz in Steinholzestrich kann
geringe Mengen an Phenolverbindungen enthalten. Phenol selbst ist im Holz jedoch nicht
vorhanden, sondern entsteht durch Dehydrierung und Spaltung aus hydroaromatischen
Verbindungen. Durch äußere Einflüsse (Feuchtigkeit, pH-Wert) kann dieser Prozess
beschleunigt und Phenol vermehrt aus den Holzschnitzeln freigesetzt werden.
Teeröle werden durch Erhitzen von Steinkohle oder Holz unter Luftabschluss erzeugt.
Dabei entstehen neben anderen giftigen und krebserzeugenden Substanzen (vor allem
PAK´s) auch große Mengen an Phenolen und Kresolen. Die biozide Wirkung dieser
Substanzen macht Teeröle zu wirksamen Holzschutzmitteln ("Carbolineum").
Der Einsatz von Teerölen im Innenraum war, insbesondere wegen des starken
Eigengeruches, eher die Ausnahme und ist seit 1991 generell untersagt9 .
Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, bei denen Konstruktionshölzer z.B. in
Dachgeschossen einer Teerölbehandlung unterzogen wurden, die aufgrund des Geruches
unschwer zu identifizieren sind.
Eine eher ungewöhnliche Quelle für Phenole und Kresole in Innenräumen entdeckten wir
vor einigen Jahren bei der Suche nach der Ursache einer massiven Geruchsbelastung. In
einem ehemals gewerblich genutzten Gebäude, in dem nach Angaben der Eigentümer früher
Kunststoffschläuche aus PVC produziert wurden, roch es nach dem Umbau zu Büroräumen
intensiv nach Phenol. Die Herkunft des Geruchs konnte im Deckenaufbau lokalisiert
werden. Die Deckensteine waren gesättigt mit einer klebrigen Flüssigkeit, die Phenole
und Kresole in hohen Konzentrationen enthielten. Es handelte sich offensichtlich um
eine durch die frühere Nutzung verursachte Chemikalienkontamination.
Viele Phenole und Kresole sind bereits in Konzentrationen von wenigen Mikrogramm pro
Kubikmeter Luft geruchlich wahrnehmbar. Der unangenehme Geruch ist daher meist Anlass
für Nachforschungen und Messungen. Der Annahme, die Warnwirkung des Geruchs setze bei
so niedrigen Phenolkonzentrationen ein, dass gesundheitliche Auswirkungen
auszuschließen sind, muss jedoch deutlich widersprochen werden. Phenol und viele
Kresole gelten als krebserzeugend und bewirken somit immer ein von der Konzentration
abhängiges zusätzliches Krebsrisiko.
Als Anzeichen chronischer Vergiftung werden Hustenreiz, Kopfschmerz, Brechreiz,
Appetitverlust, Mattigkeit und Schlaflosigkeit genannt. Wie bei anderen Innenraum-
Schadstoffen handelt es sich dabei aber um recht unspezifische Symptome, für die eine
Vielzahl von möglichen Ursachen denkbar sind.
Phenol sowie viele Kresole werden sehr schnell über die Haut aufgenommen. Beim
direkten Hautkontakt, z.B. mit teerölhaltigen Holzschutzmitteln, besteht daher die
Gefahr resorptiver Vergiftungen mit Nierenschäden und zentralnervösen Störungen wie
Krämpfen, Bewusstlosigkeit und Atemlähmung.
8Kirchner D., Pernak P.: Phenole als Ursache für den Fehlgeruch in
öffentlichen Gebäuden; Umweltmedizin in Forschung und Praxis 9 (1) 13-19 (2004)
9Chemikalienverbots-Verordnung, Anhang Abschnitt 17: Teeröle; Stand Juli
2003
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3 Isothiazolinone
Luftanalytik: Bei der Analyse von Isothiazolinonen mittels
Thermodesorption nach DIN ISO 16000-6 erfolgt die Probenahme auf Sammelröhrchen, die
mit dem Adsorptionsmittel TENAX TA gefüllt sind. Diese Röhrchen
können in speziellen Transportbehältern zusammen mit einer detaillierten
Probenahmeanleitung von ALAB bezogen werden. Die Röhrchen werden mit mindestens 5
Litern Luft bei einem Volumenstrom von ca. 100 ml/min beladen. Die Analyse erfolgt
nach thermischer Desorption gaschromatographisch mit massenselektivem Detektor. Die
Bestimmungsgrenze liegt bei 5 Litern Sammelvolumen bei 25 ng/m3 pro
Substanz.
Staub- und Materialanalytik: Die Probe wird nach Zugabe von internen Standards
mit Cyclohe-xan/Aceton (1:1) im Ultraschallbad extrahiert. Die Analyse wird mittels
Kapillar-Gaschromatographie und Massenspektrometer durchgeführt. Die quantitative
Bestimmung der Wirkstoffe erfolgt nach der Methode des Internen Standards und
Vergleichsgemisch; Bestimmungsgrenze: 0,1 mg/kg bei einer Einwaage von 250 mg.
Isothiazolinone wie 2-Methyl-4-isothiazolin-3-on (MIT) und 5-Chlor-2-methyl-4-
isothiazolin-3-on (CIT) werden als Topfkonservierer u.a. in wasserverdünnbaren Farben,
Lacken und Klebern eingesetzt. Aufgrund ihres Wassergehaltes sind diese Produkte
empfindlich gegen mikrobiellen Befall. Nach dem Auftragen und Trocknen der Produkte
haben die Isothiazolinone keine Funktion mehr; ein durchgetrockneter Wandanstrich oder
ein getrockneter Kleber kann nicht vergammeln. Isothiazolinone verdampfen bei
Raumtemperatur langsam und sind teilweise noch Jahre nach der Verwendung eines
isothiazolinonhaltigen Produkts in der Raumluft nachweisbar10 . In
Deutschland werden aufgrund des Trends zu lösemittelarmen Anstrichmitteln immer mehr
Dispersionsfarben hergestellt: zur Zeit sind es etwa 560 000 Tonnen jährlich, die
Tendenz ist steigend. Der weitaus größte Anteil dieser Farben, ca. 80%, enthält
Isothiazolinone, die gegen eine Vielzahl von Bakterien, Pilzen und Hefen wirksam
sind.11 Bodenbelagsklebstoffen, Wasserlacken, Tapetenkleistern und Anti-
Schimmelmitteln können ebenfalls Isothiazolinone zugesetzt sein.12 Darüber
hinaus kann man sie u. a. in Kosmetika, Spülmitteln, Polituren oder Druckerfarben
finden, in Klimaanlagen werden sie häufig dem Befeuchterwasser zugegeben.
Nach den Bewertungen des Bundesinstitus für gesundheitlichen Verbraucherschutz und
Veterinärmedizin gehören Isothiazolinone zu den bedeutenden Kontakallergenen; zudem
sind sie stark haut- und schleimhautreizend. Sie sind laut Gefahrstoffverordnung
giftig beim Verschlucken und bei Berührung mit der Haut und sogar sehr giftig bei
inhalativer Aufnahme. Als Biozide mit bakteriziden und fungiziden Eigenschaften
wirken sie zudem zelltoxisch und mutagen.
In Dispersionswandfarben, die das Umweltzeichen ("blauer Engel") tragen,
dürfen bis zu 200 mg/kg eines 1:1-Gemisches aus MIT und BIT oder max. 50 mg/kg eines
1: 3-Gemisches aus MIT und CIT enthalten sein. Die zulässige Höchstkonzentration für
Kosmetika wurde EU-weit auf 15 mg/kg festgelegt, seit 1997 besteht eine
Deklarationspflicht. In der EU müssen in Zukunft Produkte mit MIT/CIT -Mischungen ab
15 mg/kg bis 60 mg/kg mit dem Gefahrensymbol Xi (Stoffe mit Reizwirkung auf Haut,
Augen und Atmungsorgane) und dem R-Satz R43 (Sensibilisierung durch Hautkontakt
möglich) gekennzeichnet werden. Bei höher dosierten Produkten müssen entsprechend
weitere R-Sätze hinzugefügt werden.
In der Ausgabe 1/1998 des Umweltmedizinischen Informationsdienstes des Instituts für
Wasser-, Boden- und Lufthygiene des Umweltbundesamtes wurden, ausgehend von dem
Basisschema zur Ableitung von Innenraumrichtwerten13, Innenraumrichtwerte
für ein MIT/CIT-Gemisch abgeleitet. Der für die Allgemeinbevölkerung als unbedenklich
angesehene Richtwert I (RW I) liegt demnach bei 0,05 µg/m3, der Richtwert
II (RW II), bei dessen Erreichen bzw. Überschreiten unverzüglicher Handlungsbedarf
besteht, wurde mit 0,5 µg/m3 festgelegt. Ausdrücklich wird von der Autorin
auf die ungenügende Datenlage, die dieser Ableitung zugrunde liegt, hingewiesen
14.
Eine im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) von der Ökoscience Lufthygiene
AG in der Schweiz durchgeführte Untersuchung in 22 frisch gestrichenen Räumen kam zu
dem Ergebnis, dass die Innenraumluftbelastung durch Isothiazolinone in den ersten
Tagen um etwa Faktor 10 abnimmt, und dann für einige Wochen zwischen den beiden
Richtwerten RW II und RW I verbleibt. In einem Fall konnte noch nach 120 Tagen eine
CIT-Belastung im Bereich von RW II gefunden werden. In diesem Fall waren der
verwendete Verputz und die Farbe isothiazolinonhaltig. Diese Belastung erzeugte bei
einer Bewohnerin typische allergische Symptome, welche durch einen Hauttest bestätigt
werden konnten. Ein Aufenthalt in den gestrichenen Räumen war für diese Frau auch
nach 120 Tagen nur kurzfristig und nur unter medikamentöser Behandlung möglich.
15
Verbraucherinnen und Verbraucher können in der Regel nicht wissen, in welchen
Produkten Isothiazolinone enthalten sind. Auch Farben und Lacke mit dem Umweltzeichen
dürfen diese Stoffe enthalten; es muss lediglich auf der Verpackung auf enthaltene
Isothiazolinone und ein Informationstelefon hingewiesen werden. Dass damit ein höchst
problematischer Innenraumschadstoff quasi den Segen des blauen Engels erhält, wird
von vielen Fachmenschen scharf kritisiert.
Angesichts des potenziellen gesundheitlichen Risikos und der zunehmenden Verbreitung
der Isothiazolinone kommt der Innenraumanalytik als wichtigem Diagnoseinstrument eine
besondere Bedeutung zu. Die Luft-Probenahme auf TENAX TA-Sammelröhrchen und die
Analyse mit Hilfe einer Kombination aus Thermodesorptions-Aufgabesystem,
Gaschromatograph und Massenspektrometer ist unsere Methode der Wahl. Wir haben dieses
Analyseverfahren optimiert und Qualitätssicherungsmaßnahmen unterzogen, so dass wir
Ihnen die Analyse von Isothiazolinonen auf hohem Qualitätsniveau anbieten können.
10E. Rosskamp, W. Horn, D. Ullrich, B. Seifert; Biozidemissionen aus
Dispersionsfarben; Gefahrstoffe - Reinhal-tung der Luft 61 (2001) Nr. 1 / 2 Seite 41 -
47
11Supelco Bulletin 912; Kathon CG/ICP Preservative for Media Biocide
Applications 1997
12Lassl/Heise BBI - Informationsblatt ISOTHIAZOLINONE Rottstr. 44 b, 40668
Meerbusch 1998
13Ad-hoc-Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Innenraumhygiene-Kommission (
IRK) des Umweltbundesamtes und des Ausschusses für Umwelthygiene des AGLMB:
Richtwerte für die Innenraumluft: Basisschema. Bundesge-sundhbl. 11/96
14Rosskamp, E.: Konservierung von Dispersionsfarben. Umweltmedizinischer
Informationsdienst 1/1998
15S. Scherer, P. Maly - ökoscience Lufthygiene AG; Vorkommen von Glykol-
und Isothiazolinone-Verbindungen in der Innenraumluft von frisch gestrichenen Räumen (
unveröffentlicht)
16TRGS 900, Grenzwerte in der Luft am Arbeitsplatz; Stand Oktober 2000
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4 Acrylate
Luftanalytik: Die Analyse von Acrylaten wird nach DIN ISO 16000-6
durchgeführt. Die Probenahme erfolgt auf Sammelröhrchen,
die mit dem Adsorptionsmittel TENAX TA gefüllt sind. Diese Röhrchen werden in
speziellen Transportbehältern zusammen mit einer detaillierten Probenahmeanleitung von
ALAB bezogen. Die Röhrchen werden mit 2 Liter Luft bei einem Volumenstrom von ca. 100
ml/min beladen. Die Analyse erfolgt nach thermischer Desorption gaschromatographisch
mit massenselektivem Detektor. Bestimmungsgrenze: 1 µg/m3 bei einem
Probenahmevolumen von 2 Litern.
Materialanalytik: Materialproben werden zur Untersuchung auf Acrylate in einem
kleinen Prüfraum bei 60 °C zwei Stunden lang im Reingasstrom extrahiert. Der beladene
Extraktionsgasstrom wird durch ein TENAX TA-Sammelröhrchen geleitet. Der weitere
Analysengang entspricht der Luftanalytik.
Acrylate sind Kunstharze, die aus Erdöl hergestellt werden und in herkömmlichen
Dispersionslacken oft als Bindemittel enthalten sind. Acrylharze findet man in Farben,
Klebstoffen, Bodenbelägen und Dichtmassen.
Acrylatmonomere können an die Raumluft abgegeben werden und bei ausreichend hoher
Konzentration Haut, Augen und Atmungsorgane reizen. Die Folge sind
Bindehautentzündungen, Schnupfen, Niesen und selten auch Asthmaanfälle. Monomere
Acrylate (wie z.B. Methylacrylat, Ethylacrylat, Methylmethacrylat, n-Butylacrylat,
Butylmethacrylat und 2-Ethylhexylacrylat) werden daher in der MAK-Werte-Liste als
sensibilisierende Arbeitsstoffe eingestuft, die zu allergischen Reaktionen an der
Haut und den hautnahen Schleimhäuten führen können.
Methyl- und Ethylmethacrylat werden durch das BGVV als "bedeutende
Kontaktallergene" in Kategorie A eingruppiert. Für diese Substanzen konnte eine
starke kontaktallergene Wirkung am Menschen bereits nach kurzer und/oder geringer
Exposition nachgewiesen werden.
Methyl-, Ethyl-, n-Butylacrylat und 2-Ethylhexylacrylat wurden in Kategorie B
eingestuft, d.h. für diese Substanzen gibt es begründete Hinweise auf
kontaktallergene Wirkungen beim Menschen. Zwar wurde eine
Kontaktallergie beim
Menschen selten nachgewiesen, aber es gibt positive Befunde am Tiermodell. Weiterhin
stehen diese Substanzen im Verdacht durch Kreuzreaktionen eine allergische Reaktion
auszulösen, ohne selbst als bedeutendes Allergen aufgefallen zu sein.
17Kayser D., Schlede E.: Chemikalien und Kontaktallergie? Eine bewertende
Zusammenstellung. Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und
Veterinärmedizin - BGVV (München 2001) Loseblattsammlung
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5 Environmental Tobacco Smoke (ETS) / Nikotin
Luftanalytik: Bei der Analyse von Nikotin mittels Thermodesorption nach
DIN ISO 16000-6 erfolgt die Probenahme auf Sammelröhrchen, die mit dem
Adsorptionsmittel TENAX TA gefüllt sind. Diese Röhrchen
können in speziellen Transportbehältern zusammen mit einer detaillierten
Probenahmeanleitung von ALAB bezogen werden. Die Röhrchen werden mit mindestens 5
Litern Luft bei einem Volumenstrom von ca. 100 ml/min beladen. Die Analyse erfolgt
nach thermischer Desorption gaschromatographisch mit massenselektivem Detektor.
Bestimmungsgrenze: 50 ng/m3 bei einem Probenahmevolumen von 5 Litern.
Staubanalytik: Die Probe wird nach Zugabe von internen Standards mit
Cyclohexan/Aceton (1:1) im Ultraschallbad extrahiert. Die Analyse wird mittels
Kapillar-Gaschromatographie und Massenspektrometer durchgeführt. Die quantitative
Bestimmung der Substanzen erfolgt nach der Methode des Inter-nen Standards und
Vergleichsgemisch; Bestimmungsgrenze: 0,1 mg/kg - 0,5 mg/kg bei einer Einwaage von
250 mg.
Eine wichtige Ursache für Schadstoffbelastungen in Innenräumen ist der
Zigarettenrauch. Man ging früher davon aus, dass nur der Raucher durch
Zigarettenrauch geschädigt wird, heute weiß man, dass auch das passive Rauchen
gesundheitliche Schäden hervorrufen kann. Die MAK-Kommission stufte 1998 das
Passivrauchen als kanzerogen ein.
Unter Passivrauchen (ETS, Environmental Tobacco Smoke) versteht man das unfreiwillige
Einatmen von Zigarettenrauch aus der Umgebungsluft. Zigarettenrauch enthält eine
Vielzahl von Verbindungen. Zu diesen Verbindungen gehören neben Kohlenmonoxid,
Aldehyden, Ketonen und PAK (polycyclische aromatische
Kohlenwasserstoffe) auch aromatische Amine, Nitrosamine und Nikotin. Aromatische
Amine sind als kanzerogen
eingestuft und liegen im sog. Nebenstromrauch (= Rauch, welcher der Zigarette in
Rauchpausen entströmt) in höheren Konzentrationen als im Hauptstromrauch (= Rauch,
der vom Raucher ein- bzw. ausgeatmet wird) vor.
Als Leitsubstanzen für Passivrauch können Nikotin (zur Gruppe der Alkaloide gehörend)
und Cotinin (ein Abbauprodukt des Nikotin) verwendet werden. Diese Substanzen
reichern sich aufgrund ihrer geringen Flüchtigkeit im Hausstaub an und können daraus
analysiert werden. In Nichtraucherwohnungen liegt der Nikotingehalt im Staub im
Bereich von wenigen Miligramm pro Kilogramm. In Raucherwohnungen kann die
Konzentration durchaus 100 mg/kg und mehr betragen.
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6 Organische Säuren
Luftanalytik: Die Analyse von organischen Säuren wird nach DIN ISO
16000-6 durchgeführt. Die Probenahme erfolgt auf Sammelröhrchen, die mit dem
Adsorptionsmittel TENAX TA gefüllt sind. Diese Röhrchen
werden in speziellen Transportbehältern zu-sammen mit einer detaillierten
Probenahmeanleitung von ALAB bezogen. Die Röhrchen werden mit 5 Liter Luft bei
einem Volumenstrom von ca. 100 ml/min beladen. Die Analyse erfolgt nach thermischer
Desorption gaschromatographisch mit massenselektivem Detektor. Bestimmungsgrenze: 5
µg/m3 bei einem Probenahmevolumen von 5 Litern.
Organische Säuren können aus verschiedenen Baumaterialien, die im Innenraum
Verwendung finden, emittieren: Heptan- oder Hexansäure beispielsweise aus
Bodenbelagsklebern oder Alkydharzprodukten, Essigsäure aus MDF-Platten, Kunstharzputz,
Dämmstoffen oder Silikonabdichtungen. Aus Linoleumbodenbelägen können Valeriansäure,
Essigsäure, Propionsäure, Butter- und Capronsäure ausgasen. Die Emission der
penetrant riechenden Buttersäure konnten wir unter anderem aus einem chlorfreien
Bodenbelag auf der Basis von Polyvinylbutyral (PVB) nachweisen, der unter Verwendung
von Butanal hergestellt wurde.
Als Fettsäuren bezeichnet man hierbei aliphatische Carbonsäuren mit nahezu
ausschließlich unverzweigter Kohlenstoff-Kette. Fettsäuren mit 1-7 C-Atomen werden
als niedere, solche mit 8-12 C-Atomen als mittlere und die mit mehr als 12 C-Atomen
als höhere Fettsäuren bezeichnet18.
Niedere Fettsäuren, wie z.B. Buttersäure haben ausgesprochen unangenehme
Geruchseigenschaften. Höhere Fettsäuren sind eher geruchsneutral, können jedoch durch
mikrobiellen Abbau niedermoleku-lare und geruchsintensive Metaboliten wie Alkohole,
Aldehyde, Ketone und Säuren bilden.
18Falbe J., Regitz M.: Römpp - Chemie Lexikon, Thieme Verlag 1990
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7 PAK / Naphthaline
Luftanalytik (PU-Schaum): 10 m3 Raumluft werden über eine
Kombination aus PU-Schaum und Glasfaserfilter gesaugt. Extraktion der Probe im
Soxhlet; Nachweis der untersuchten Substanzen mittels Kapillar-Gaschromatographie mit
Massenspektrometer (GC/MS) (DIN ISO 12884). Bestimmungsgrenze: 2 ng/m3 bei
einem Probenahmevolumen von 10 m3.
Luftanalytik (TDS): Für die Analyse der leichtflüchtigen PAK´s sowie
Methylnaphthalinen nach DIN ISO 16000-6 erfolgt die Probenahme auf Sammelröhrchen,
die mit dem Adsorptionsmittel TENAX TA gefüllt
sind. Diese Röhrchen werden in speziellen Transportbehältern zusammen mit einer
detaillierten Probenahmeanleitung von ALAB bezogen. Die Röhrchen werden mit 2 Liter
Luft bei einem Volumenstrom von ca. 100 ml/min beladen. Die Analyse erfolgt nach
thermischer Desorption gaschromatographisch mit Massenspektrometer (GC/MS).
Bestimmungsgrenze: 5 - 100 ng/m3 bei einem Probenahmevolumen von 2 Litern.
Staubanalytik: Die Analyse von PAK in Staubproben erfolgt in Anlehnung an die
DIN ISO 18287. Nach Zugabe von 8 deuterierten polycyclischen aromatischen
Kohlenwasserstoffen (interne Standards) wird die Probe mit Cyclohexan/Aceton (1:1) im
Ultraschallbad extrahiert. Nachweis der untersuchten Substanzen mittels Kapillar-
Gaschromatographie mit Massenspektrometer (GC/MS) (EPA-Methode 1625).
Bestimmungsgrenze: 0,05 mg/kg - 0,5 mg/kg pro Substanz bei einer Einwaage von
250 mg.
Materialanalytik: Die Analyse von PAK in Boden- und Materialproben erfolgt
nach der DIN ISO 18287. Nach Zugabe von 8 deuterierten polycyclischen
aromatischen Kohlenwasserstoffen (interne Standards) wird die Materialprobe mit
Toluol im Soxhlet oder mit Cyclohexan im Ultraschallbad extrahiert. Stark
verunreinigte Extrakte werden säulenchromatographisch aufgereinigt. Anschließend wird
der Extrakt auf ca. 1ml eingeengt. Nachweis der untersuchten Substanzen mittels
Kapillar-Gaschromatographie mit Massenspektrometer (GC/MS). Bestimmungsgrenze: 0,05
mg/kg bei einer Einwaage von 250 mg.
Materialanalytik (Thermoextraktion): Materialproben werden zur Untersuchung
auf PAK/Naphthaline in einem kleinen Prüfraum bei 60°C zwei Stunden lang
im Reingasstrom extrahiert. Der beladene Extraktionsgasstrom wird durch ein TENAX TA-
Sammelröhrchen geleitet. Der weitere Analysen-gang entspricht der Luftanalytik(TDS).
Der Begriff "polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe" (PAK) ist eine
Sammelbezeichnung für eine Vielzahl aromatischer Verbindungen mit kondensierten
Ringsystemen. Am besten untersucht sind die von der amerikanischen Umweltbehörde
Environmental Protection Agency (EPA) aufgrund ihres häufigen Vorkommens in der
Umwelt als Leitsubstanzen ausgewählten 16 sogenannten "EPA-PAK":
Naphthalin, Acenaphthylen, Acenaphthen, Fluoren, Phenanthren, Anthracen, Fluoranthen,
Pyren, Benz[a]anthracen, Chrysen, Benzo[b]fluoranthen, Benzo[k]fluoranthen, Benzo[a]
pyren, Di-benz[a,h]anthracen, Benzo[ghi]perylen und Indeno [1,2,3-cd]pyren. Von
diesen wiederum gilt das Benzo[a]pyren als wichtigster PAK, da es die stärkste
krebserzeugende Wirkung aufweist.
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen immer dann, wenn
organisches Material verbrennt oder verkohlt. PAK werden in großen Mengen z.B. beim
Verschwelen von Kohle in Kokereien, bei der Eisen- und Stahlerzeugung, bei
Waldbränden und in Großfeuerungsanlagen gebildet. Hausbrand, Verbrennungsmotoren,
Grillen, Räuchern und Tabakrauch sind weitere Quellen für polycyclische aromatische
Kohlenwasserstoffe. PAK sind enthalten in Mineralölen, Pech, Teer, Ruß und daraus
hergestellten Produkten. In den Boden, in Gewässer, auf Oberflächen von Pflanzen und
anderen Organismen gelangen PAK durch Deposition aus der Luft. Bodenbelastungen durch
PAK finden sich zudem häufig auf Altstandorten von Mineralöllagern, Kokereien, teer-
und pechverarbeitenden Betrieben sowie unter alten Deponien. Auch geräucherte bzw.
gegrillte Nahrungsmittel können hohe PAK-Gehalte aufweisen.
Der Mensch kann PAK über die Lunge, über die Nahrung und durch direkten Hautkontakt
aufnehmen; bei Nichtrauchern spielt die Aufnahme über die Luft in der Regel eine
geringe Rolle. Ein wichtiger Belastungspfad wurde vor einigen Jahren entdeckt: im
Hausstaub aus Wohnungen, in denen vor 1970 Parkett verlegt worden war, fanden sich
erhebliche Mengen PAK. Der Grund: bis Ende der sechziger Jahre wurden
Bodenbelagskleber, vor allem Parkettkleber, oft aus Steinkohlenteerpech hergestellt.
Während reine Bitumenkleber in der Regel keine PAK-Belastungen aufweisen, können
Teerkleber mehrere Prozent PAK enthalten. Ohne chemische Analyse lässt sich jedoch
keine Aussage über die Art der zur Herstellung eines Klebers verwendeten Rohstoffe
treffen.
Durch Risse und Fugen in älterem Parkett werden Anteile des Klebers freigesetzt und
vermischen sich mit dem Hausstaub. Bei schadhaftem Parkett, vor allem, wenn sich
einzelne Parkettstäbe vollständig gelöst haben, kann der im Laufe der Jahre
versprödete Kleber durch Trittbelastung zwischen Parkettstäben und Estrich regelrecht
zermahlen werden. Durch Erschütterungen und Pumpeffekte wird besonders der sehr feine
Staubanteil durch Risse und Fugen an die Fußbodenoberfläche befördert.
PAK-belasteter Hausstaub gefährdet speziell Kleinkinder im Krabbelalter. Sie können
die Schadstoffe durch direkten Hautkontakt, durch Einatmen des besonders in Bodennähe
aufgewirbelten Schwebstaubes und durch Essen des Hausstaubes aufnehmen. Die Aufnahme
über den Magen-Darmtrakt steht dabei im Vordergrund; Fachmenschen gehen davon aus,
dass Kleinkinder im Krabbelalter täglich bis zu 100 Milligramm Hausstaub essen,
teilweise auch erheblich mehr.
Dass einige PAK Krebs verursachen können, ist bereits seit über zweihundert Jahren
bekannt. Der sogenannte "Kaminfegerkrebs" trat bei Schornsteinfegern auf,
die im Laufe ihres Berufslebens intensiv mit PAK-haltigem Staub, Ruß und Rauch in
Kontakt kamen. Auch der Beginn der experimentellen Krebsforschung ist mit dieser
Stoffklasse verbunden; 1915 beschrieben japanische Forscher erstmalig das Entstehen
lokaler Tumore an der Haut von Kaninchen nach Bepinselung mit Steinkohlenteer.
Aufgrund der neuen Erkenntnisse über PAK-Belastungen des Hausstaubes in vielen
Wohnungen mit älterem Parkettbelag kamen am 28. April 1998 Wissenschaftler und
Vertreter aus Bund, Ländern und Kommunen zu einem Gespräch zusammen. Als Ergebnis
wurden folgende Empfehlungen veröffentlicht:
- Weist ein Kleber einen BaP19 -Gehalt von weniger als 10 Milligramm
pro Kilogramm (mg/kg) auf, sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich.
- Liegt der BaP-Gehalt des Klebers über 10 mg/kg, wird ein abgestuftes Vorgehen
empfohlen.
- Bei einem BaP-Gehalt von 10 bis 3000 mg/kg im Parkettkleber wird der Hausstaub
untersucht.
- Werden im Hausstaub mehr als 10 mg BaP pro Kilogramm festgestellt, sollten
kurzfristig Maßnahmen zur Minimierung der Belastung ergriffen werden.
- Bei einem BaP-Gehalt von weniger als 10 mg/kg im Hausstaub ist im Einzelfall
vor Ort zu entscheiden, welche Maßnahmen mittelfristig zu ergreifen sind.
- Bei einem BaP-Gehalt über 3000 mg/kg im Parkettkleber und bei einem BaP-Gehalt
von mehr als 10 mg/kg im Hausstaub sollten kurzfristig Maßnahmen zur Minimierung
der Belastung ergriffen werden.
Eine Quelle für vor allem leichtflüchtige PAK in der Raumluft ist das Vorhandensein
teerhaltiger Dachpappen bzw. Teerpappen in Deckenaufbauten. Insbesondere teerhaltige
Dachpappen weisen oft erhebliche Mengen an Naphthalin auf. Eventuell ausgasendes
Naphthalin kann durch Undichtigkeiten in die unter dem Dach liegenden Hohlräume
eindringen und die Raumluft belasten. Auch das Vorhandensein von Teerpappen in
Deckenaufbauten birgt durch Ausgasung ein Risiko für die Belastung der Raumluft mit
PAK.
Bislang gibt es keine Grenz- oder Richtwerte für die Innenraumluft zur Bewertung von
PAK-Gemischen. Auch toxikologisch begründete Bewertungsmaßstäbe für luftgetragene PAK-
Gemische in Innenräumen liegen nicht vor. Ausreichend abgesicherte toxikologische
Daten existieren bisher lediglich für die PAK-Leitkomponente Benzo(a)pyren sowie für
Naphthalin.
Für Naphthalin in der Innenraumluft hat die Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK)
20 im Jahre 2004 folgende Richtwerte aufgestellt:
- Richtwert I (Gefahrenvorsorgewert): 2 µg/m3
- Richtwert II (Gefahrenwert): 20 µg/m3
Für andere Einzelsubstanzen aus der Stoffgruppe der PAK sowie für PAK-Gemische
existieren bislang keine vergleichbaren Orientierungs- oder Richtwerte. Vor diesem
Hintergrund schlägt das Bremer Umweltinstitut das im Folgenden beschriebene
Bewertungskonzept vor21 .
Prinzipiell wird für PAK als gesundheitsgefährdende Wirkung eine mögliche
Krebsentstehung angenommen. Dies resultiert aus Untersuchungen an Arbeitsplätzen, an
denen Arbeiter in der Regel sehr viel höheren PAK-Belastungen als im Innenraum
ausgesetzt waren oder sind, bspw. in Kokereien, der Teerverarbeitenden Industrie und
beim Schornsteinfegen. Auch Innenraumbelastungen in normalen Wohnräumen und
öffentlichen Gebäuden können jedoch kritische Größenordnungen erreichen.
Von den 16 PAK nach EPA sind nicht alle in gleichem Maße krebserregend - vielmehr
gibt es deutliche Unterschiede. Das gefährlichste der untersuchten PAK ist das
Benzo(a)pyren, kurz BaP. Durch verschiedene Studien wurde deutlich, dass es möglich
ist, die krebserregende Wirkung der einzelnen PAK im Vergleich zu BaP zu gewichten
und einen Umrechnungsfaktor festzulegen22. Diese Faktoren werden als
Toxizitäts-Äquivalenz-Faktoren (TEF) bezeichnet.
Aus den TEF wird durch Multiplikation mit der nachgewiesenen Konzentration ein
Kanzerogenitäts-Äquivalent (KE) gebildet. Alle 16 einzelnen KE werden nun zu KE
Gemisch addiert und diese Summe einer weiteren Bewertung unterzogen.
Die Analyse der 16 EPA-PAK aus der Luft erfolgt mittels Probenahme auf PU-Schaum in
Kombination mit Glasfaserfilter. Ein wesentlicher Nachteil dieser Methode, neben der
langen Probenahmezeit und hohem Probenahmevolumen, ist ein deutlicher Unterbefund von
Naphthalin. Wir bieten Ihnen daher speziell für die leichtflüchtigen EPA - PAK (
Naphthalin - Pyren) sowie für 1-Methylnaphthalin, 2-Methylnaphthalin und 1,2,3,4-
Tetrahydronaphthalin eine Probenahme auf Tenax TA an, welche dieses Problem vermeidet.
Komfortabel ist diese Methode auch aufgrund der erheblich kürzeren Probenahmezeit
sowie durch ein geringeres Probevolumen. Die Tenax-Sammelröhrchen können in
speziellen Transportbehältern zusammen mit einer detaillierten Probenahmeanleitung
von ALAB bezogen werden.
19Benzo(a)pyren
20Die Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) ist eine Kommission des
Umweltbundesamtes (UBA), die 1984 im damaligen Bundesgesundheitsamt (BGA)
eingerichtet wurde. Nach Auflösung des BGA 1994 und Überführung des BGA-Instituts für
Wasser-, Boden- und Lufthygiene in das Umweltbundesamt 1994 wurde die IRK als UBA-
Kommission fortgeführt. Die IRK berät den Präsidenten des Umweltbundesamtes
sachkundig zu allen Fragen der Innenraumlufthygiene
21Zorn, C., Köhler, M., Weis, N., Scharenberg, W. : Proposal for
Assessement of Indoor Air polycyclic aromatic hydrocarbon PAH). 10th International
Conference of Indoor Air Quality and Climate, Beijing, China 2005
22Nisbet, I., Lagoy, P.: Toxic equivalency factors (TEFs) for polycyclic
aromatic hydrocarbons (PAHs). Regul. Toxicol. Pharmacol. 1992; 16: 290 - 300
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8 Formaldehyd und höhere Aldehyde
Luftanalytik: Die Analyse von Formaldehyd und höheren Aldehyden wird in
Anlehnung an VDI-Richtlinie 3862, Blatt 3 ausgeführt. Die Probenahme erfolgt auf
Silicagel-Sammelkartuschen, die mit 2,4-Dinitrophenylhydrazin (DNPH) präpariert sind (
Supelco Sep-Pak DNPH-Silica Cartridges Part No. 37500). Diese Kartuschen können über
ALAB GmbH bezogen werden. Das Probenvolumen ist abhängig von der erwarteten
Raumluftkonzentration an Carbonylverbindungen (Aldehyde und Ketone) und beträgt in
der Regel 90 Liter bei einem Volumenstrom von maximal 1,5 Liter pro Minute.
Nach Elution der Sammelröhrchen mit Acetonitril erfolgt die Analyse mit Hochdruck-
Flüssigkeits-Chromatographie (HPLC). Die Bestimmungsgrenze ist für die einzelnen
Aldehyde unterschiedlich und beträgt bei 90 Liter Sammelvolumen zwischen 1 und 5 µg/
m3 pro Substanz.
Materialanalytik (Thermoextraktion): Materialproben werden zur Untersuchung
auf Formaldehyd und höhere Aldehyde in einem kleinen Prüfraum bei 60°C 2 Stunden lang
im Gasstrom extrahiert. Der beladene Extraktionsgasstrom wird über ein DNPH-
Sammelröhrchen geleitet. Der weitere Analysengang entspricht der Luftanalytik.
Formaldehyd-Materialanalytik: Wenn es lediglich um Formaldehyd geht, werden
Materialproben in Anlehnung an ein vom Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) in
Braunschweig entwickeltes und seit Mai 1996 als Methode DIN EN 717 - 3 normiertes
Verfahren untersucht. Dazu wird eine Probe für 24 Stunden bei 40°C im Dampfraum einer
PE-Flasche aufgehängt, deren Boden mit dest. Wasser bedeckt ist. Danach wird das im
Wasser absorbierte Formaldehyd nach der Pararosanilin-Sulfit-Methode (entsprechend
VDI 3484) photometrisch analysiert.
Bereits in den 70er Jahren kam die Substanz Formaldehyd wegen ihrer unerwünschten
Eigenschaft als reizendes Gas und der allergisierenden Wirkung bei direktem
Hautkontakt ins Gerede; damals wurde erstmals der Verdacht der Kanzerogenität
geäußert. Immer und überall eingesetzt, kann man dieser Chemikalie heutzutage kaum
noch aus dem Wege gehen. Die Zahl der Menschen, die aufgrund einer ständigen
Belastung durch Formaldehyd an Augenreizungen, Bronchialproblemen und Kopfschmerzen
leiden, lässt sich kaum abschätzen.
Formaldehyd wird seit fast 100 Jahren großtechnisch hergestellt. Es wird nicht nur
als Bindemittelbestandteil in Spanplatten, sondern auch als Konservierungsmittel z.B.
in Lacken und Kosmetika wie Duschgels, als Pflegeleichtzusatz in Textilien und als
Desinfektionsmittel eingesetzt. Neben dem technisch hergestellten Formaldehyd findet
sich diese Substanz zudem in großen Mengen als Produkt unvollständiger
Verbrennungsvorgänge, z.B. in Kraftfahrzeugabgasen und Zigarettenrauch.
Höhere Aldehyde sind aufgrund ihrer Reaktionsfähigkeit - ähnlich wie Formaldehyd -
gesundheitsschädlich und reizen bereits in geringsten Konzentrationen die
Schleimhäute der Augen und Atemwege. Eine wichtige Quelle für Aldehyde in der
Raumluft sind trocknende Öle, die beispielsweise in Lacken, Klebstoffen und
Linoleumbelägen als Bindemittel eingesetzt werden. Trocknende Öle, wie Leinöl, binden
durch Aufnahme von Luftsauerstoff ab. Bei dieser Reaktion kann es zur Abspaltung von
längerkettigen Aldehyden kommen. Die Aldehyd-Abgabe ist nicht auf den Zeitraum der
Trocknung beschränkt.
Bindemittel auf Basis trocknender Öle werden in den letzten Jahren zunehmend als
Alternative zu synthetischen Harzen eingesetzt. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist
die Verwendung von Linoleum als Fußbodenbelag anstelle des problematischen PVC.
Parallel zum verstärkten Einsatz von Linoleum erreichen uns immer häufiger
Beschwerden von Verbrauchern, die nach dem Verlegen von Linoleumbelägen über starke
Geruchsbelästigung und Reizungen der Schleimhäute - insbesondere der Atemwege -
klagen. Denkbar wäre, dass die Klebemittel, mit denen diese Beläge verklebt werden,
eine Ursache für die geschilderten Beschwerden darstellen. Dies konnte bisher jedoch
durch eine Untersuchung der Raumluft auf die entsprechenden Lösemittelkomponenten
meist ausgeschlossen werden. Aufgrund von Untersuchungen über das Ausgasungsverhalten
von Linoleum ist zu vermuten, dass Aldehyde eine wesentliche Ursache der
geschilderten Geruchsbelästigungen und Schleimhautreizungen sind. Dies kann im
konkreten Fall durch eine Untersuchung der Raumluft auf diese Substanzen überprüft
werden.
Eine weitere wichtige Quelle für höhere Aldehyde in der Raumluft sind Alkydharzlacke,
also die klassischen, stark lösemittelhaltigen Kunstharzlacke. Alkydharze bestehen
aus Polyalkoholen, die mit Fettsäuren und mehrwertigen Säuren verestert sind. Ebenso
wie aus trocknenden Ölen können auch aus durchgetrockneten Alkydharzlacken durch
oxidative Spaltung der Doppelbindungen in den Fettsäureresten höhere Aldehyde
freigesetzt werden. Alkydharzlacke werden häufig als Heizkörperlacke oder großflächig
zum schmutz- und wasserabweisenden Lackieren von Wänden in Küchen und Bädern (
"Ölsockel") verwendet.
Chlorfreie Bodenbeläge aus Polyvinylbutyral (PVB) können neben Butanol und
Buttersäure auch größere Mengen an Butanal freisetzen.
Quellen für Formaldehyd in Innenräumen: Möbel aus Spanplatten (auch beschichtet),
Parkettversiegelungen, Dekorationstextilien, Zigarettenrauch, Reinigungsmittel.
Quellen für höhere Aldehyde in Innenräumen: Linoleum, Alkydharzlacke, Leinöfirnis und
andere trocknende Öle, Bodenbeläge aus PVB, Duftöle, Parfums, Zigarettenrauch, Koch-
und Backdämpfe.
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9 Holzschutzmittelwirkstoffe / Pestizide
Luftanalytik: Sammlung der Wirkstoffe auf Chromosorb oder
Polyurethanschaum (PUF), Elution der Wirkstoffe bzw. Extraktion im Soxhlet, Aufnahme
des Extrakts in Toluol, Derivatisierung des PCP mit Essigsäureanhydrid, Analyse mit
Kapillargaschromatographie und Elektroneneinfang-Detektor bzw. Massenspektrometer;
quantitative Bestimmung der Wirkstoffe mit internem Standard und Vergleichsgemisch.
Bestimmungsgrenze für Lindan, PCP, DDT, Chlorthalonil und Endosulfan: bei 100 Liter
Sammelvolumen: 0,03 µg/m3 pro Substanz; Bestimmungsgrenze für Furmecyclox,
Dichlofluanid, Permethrin: bei 500 Liter Sammelvolumen: 0,03 µg/m3 pro
Substanz.
Staubanalytik: Die Probe wird nach Zugabe von internen Standards im
Ultraschallbad mit Cyclohe-xan/Aceton (1:1) extrahiert. Ein Teil des Extraktes wird
mit Essigsäureanhydrid derivatisiert. Die Analyse erfolgt mittels Kapillar-
Gaschromatographie und Elektroneneinfang-Detektor bzw. Massenspektrometer. Die
quantitative Bestimmung der Wirkstoffe erfolgt nach der Methode des Internen
Standards und Vergleichsgemisch; Bestimmungsgrenze: 0,1 mg/kg - 2 mg/kg bei einer
Einwaage von 250 mg.
Materialanalytik: Extraktion der Wirkstoffe am Soxhlet
bzw. im Ultraschallbad, Derivatisierung des PCP mit Essigsäureanhydrid, Analyse mit
Kapillargaschromatographie und Elektroneneinfangdetektor bzw. Massenspektrometer;
quantitative Bestimmung der Wirkstoffe mit internem Standard und Vergleichsgemisch;
Bestimmungsgrenze: 0,1 mg/kg - 2 mg/kg bei einer Einwaage von 250 mg.
Seit ca. 150 Jahren werden chemische Holzschutzmittel gezielt im Baubereich
angewendet. Neben den in der Bauordnung vorgeschriebenen Verwendungen kamen in den
siebziger/achtziger Jahren Holzschutzmittel auch in Wohnräumen massiv zum Einsatz.
Hier wurde häufig alles verwendete Holz - von tragenden Konstruktionen über Fenster,
Türen, Wand- und Deckenverkleidungen, Fußböden, Treppen bis hin zu Möbeln - mit
solchen Mitteln behandelt.
Chemische Holzschutzmittel lassen sich grob in drei Gruppen zusammenfassen:
- wasserlösliche Salze
- ölige Holzschutzmittel
- Teeröle
Allen ist gemeinsam, dass sie Substanzen enthalten, die eine gewisse Giftwirkung
entfalten. So lässt sich unterscheiden zwischen Stoffen, die gegen Insekten wirken (
Insektizide) und solchen, die gegen Schimmel und andere Pilze eingesetzt werden (
Fungizide). Häufig werden in der Praxis Präparate verwendet, die sowohl Insektizide
als auch Fungizide enthalten. Leider ist die Giftwirkung der meisten Holzschutzmittel
nicht auf Insekten und Schimmelpilze beschränkt. Auch für Menschen sind viele Mittel
gesundheitsschädlich.
Traurige Berühmtheit erlangten die Wirkstoffe Pentachlorphenol (PCP) und Lindan. Sie
tauchen immer wieder im Zusammenhang mit den Leidensgeschichten von
Holzschutzmittelgeschädigten auf. Die Liste der dort beschriebenen
Gesundheitsbeschwerden ist schier unfassbar: Dauerschnupfen, häufiges Nasenbluten,
geschwollene Lymphdrüsen, Schwächung der Abwehrkräfte, Leberveränderungen,
Herzrhythmus-Störungen, Depressionen, ständige Müdigkeit, Gedächtnisausfälle usw.
Ist ein Holz mit einem Holzschutzmittel behandelt worden, so bleiben die Wirkstoffe
nicht nur im Holz, sondern gasen langfristig aus und belasten - innen angewendet -
die Raumluft. Besonders in den ersten Wochen und Monaten nach der Behandlung findet
eine starke Freisetzung der Gifte statt. Die Abgabe an die Luft bedeutet einerseits
eine unmittelbare Belastung der Bewohner über die Atemluft. Andererseits nehmen aber
auch Hausstaub und zahlreiche Materialien die Wirkstoffe aus der Luft auf und
reichern sie an, wie zum Beispiel: Textilien (Kleidungsstücke, Bettwäsche,
Polsterstoffe), Tapeten, Putz, Teppichböden, Bücher... Das heißt: solchermaßen
belastete Materialien können die Wirkstoffe wieder an die Luft abgeben, oder die
Bewohner nehmen die Gifte teilweise zusätzlich über Hautkontakt mit Materialien auf.
Auch Nahrungsmittel - vor allem fetthaltige - können die Wirkstoffe anreichern. Die
Hauptaufnahme bei Bewohnern solcher Räume findet jedoch über Atmung und Hautkontakt
statt.
Erst 1989 erließ die Bundesregierung ein Verbot für Pentachlorphenol als Wirkstoff in
Holzschutzmitteln. Aber auch in jüngerer Vergangenheit gab es in der Öffentlichkeit
immer wieder Anlässe zu heftigsten Diskussionen (z.B. Holzschutzmittelprozess DESOWAG,
Holzschutzmittelanwendung in bayerischen Forsthäusern etc.). Als PCP-Ersatz wurde
eine Vielzahl von Wirkstoffen wie Chlorthalonil, Dichlofluanid, Tolylfluanid,
Furmecyclox, Tebuconzol und Propiconazol eingesetzt.
Seit 1984 wird Lindan in der alten Bundesrepublik nicht mehr produziert und seine
Verwendung wurde stark eingeschränkt. In Holzschutzmitteln ist es zwar weiterhin
zugelassen, wenn eine Reinheit von 99 % gewährleistet ist, wird aber tatsächlich
nicht mehr eingesetzt. Als Ersatz für Lindan werden verstärkt Pyrethroide (
Permethrin, Cypermethrin, Deltamethrin ) verwendet.
Vor allem auf Dachböden in den neuen Bundesländern sind häufig erhöhte DDT-
Konzentrationen zu finden. Dies ist auf den Einsatz von Hylotox-Präparaten
zurückzuführen, die meist die Wirkstoff-Kombinationen Pentachlorphenol/DDT bzw.
Lindan/DDT enthielten. "Hylotox 59" (Wirkstoffe: Lindan/DDT) war noch bis
1989 im Handel der DDR frei erhältlich.
Quellen für Holzschutzmittelwirkstoffe in Innenräumen: mit Holzschutzmitteln
behandelte Hölzer und Holzwerkstoffe, z.B. Wand- und Deckenverkleidungen,
Deckenbalken, Dachbalken, für Feuchträume geeignete Spanplatten, antike Möbel, die
gegen Holzwurmbefall behandelt wurden, Holzfenster.
Zusätzliche Quelle für PCP und Permethrin in Innenräumen: Teppichböden
Zusätzliche Quelle für PCP in Innenräumen: Ledermöbel.
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10 Biozide
Staubanalytik: Die Probe wird nach Zugabe
von internen Standards mit Cyclohexan/Aceton (1:1) im Ultraschallbad extrahiert. Ein
Teil des Extraktes wird mit Essigsäureanhydrid derivatisiert. Die Analyse wird
mittels Kapillar-Gaschromatographie und Elektroneneinfang-Detektor bzw.
Massenspektrometer durchgeführt. Die quantitative Bestimmung der Wirkstoffe erfolgt
nach der Methode des Internen Standards und Vergleichsgemisch;
Bestimmungsgrenze: 0,1 mg/kg - 3 mg/kg bei einer Einwaage von 250 mg.
Materialanalytik: Extraktion der Wirkstoffe am
Soxhlet bzw. im Ultraschallbad, Derivatisierung des PCP mit Essigsäureanhydrid,
Analyse mit Kapillargaschromatographie und Elektroneneinfang-Detektor bzw.
Massenspektrometer; quantitative Bestimmung der Wirkstoffe mit internem Standard und
Vergleichsgemisch, Bestimmungsgrenze: 0,1 mg/kg - 3 mg/kg bei einer Einwaage von 250
mg.
Die Verwendung von Bioziden in Innenräumen wird wegen der damit einhergehenden
Gesundheitsrisiken für die Raumnutzer zunehmend kritisiert. Die meisten bei der
Bekämpfung von Insekten in Innenräumen angewendeten Wirkstoffe werden auch im
Pflanzenschutz, z.B. in der Landwirtschaft eingesetzt. Für
Schädlingsbekämpfungsmittel, die in Innenräumen eingesetzt werden, ist jedoch im
Unterschied zu Pflanzenschutzmitteln nur für Neuprodukte eine amtliche Prüfung oder
Zulassung vorgeschrieben (Biozidgesetz).
Biozide, einmal in Innenräumen ausgebracht, werden deutlich langsamer abgebaut als
bei der Anwendung im Freiland. Dadurch können sich auch Biozide, die als leicht
abbaubar gelten, vor allem bei regelmäßiger Anwendung in Innenräumen anreichern. Die
Wirkstoffe verteilen sich in Abhängigkeit von ihren physikalischen und chemischen
Eigenschaften über die Raumluft und den Hausstaub, dringen in Oberflächen ein und
werden aus diesen wieder frei gesetzt, so dass die Raumnutzer einer der
Aufenthaltsdauer entsprechenden Schadstoffbelastung ausgesetzt sein können.
Einige Vertreter der Organophosphor-Insektizide mit relativ geringer akuter
Toxizität, die als Schädlingsbekämpfungsmittel im Haushalt in Sprays, Köderdosen,
Strips, Plättchen für Elektroverdampfer oder ähnliches eingesetzt werden, sind z.B.
Dichlorvos und Chlorpyrifos. Ebenfalls in Innenräumen angewendet werden Carbamate
wie Propoxur und Ethiofencarb.
Zur Gruppe der Organochlor-Pestizide zählen unter anderem DDT, Lindan, Aldrin
und Dieldrin. Lindan und DDT sind dabei wohl die bekanntesten Vertreter. Mögliche DDT-
Quellen in Innenräumen können neben mit DDT behandelten Hölzern (Dachgeschosse oder
alte Möbel in den neuen Bundesländern), langzurückliegende
Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen (z.B. in ehemals von den amerikanischen Streitkräften
genutzten Wohnungen) oder Orientteppiche sein. Lindan wurde früher häufig als
Holzschutzmittel eingesetzt und ist als Tierarzneimittel weiterhin zugelassen,
ungeachtet der Einstufung als Stoff mit möglicherweise krebserregender Wirkung beim
Menschen (K3).
Seit Mitte der achtziger Jahre werden in Innenräumen zunehmend Pyrethroide zur
Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Die wichtigsten Pyrethroide sind Permethrin,
Deltamethrin, Cyfluthrin, Fenvalerat, Cypermethrin und Tetramethrin. Im häuslichen
Bereich werden Pyrethroide als Holzschutzmittel, zur Textilausrüstung von
Wollteppichen, als Insektensprays, in Elektroverdampfern, als Flohmittel und Mittel
gegen Kopfläuse verwendet. Permethrin ist ein insektizider Wirkstoff, der zur
Ausrüstung von Wolltextilien - vor allem Teppichböden - gegen Insektenfraß eingesetzt
wird. Teppichböden mit Woll-siegelqualität sind immer behandelt, da die Vergabe des
Wollsiegels an die Motten- und Käfer-schutzbehandlung geknüpft ist. Permethrin hat
weitgehend das Pestizid Lindan ersetzt, welches in der Vergangenheit aufgrund seiner
Giftigkeit und Langlebigkeit in Verruf geraten ist. Obwohl Permethrin, verglichen mit
anderen Pestiziden wie Lindan, nur in sehr geringem Ausmaß aus dem Teppichmaterial
ausgast, besteht jedoch die Möglichkeit der Aufnahme über direkten Hautkontakt oder
beim Einatmen von feinen Wollfasern und Teppichabrieb. Die Frage, ob und in welchem
Ausmaß Permethrin auch für den Menschen gefährlich ist, kann gegenwärtig nicht
endgültig beantwortet werden. Zahlreiche Vergiftungsmeldungen begründen aber den
konkreten Verdacht, dass insbesondere bei empfindlichen Personen schon geringe Mengen
Permethrin Gesundheitsstörungen auslösen können. Im Vordergrund stehen dabei
Reizungen der Schleimhäute, der Atemwege und der Augen. Ferner kann es zu
Missempfindungen und Taubheitsgefühlen der Haut, eventuell zu Benommenheit und
Kopfschmerzen kommen. Die Aufnahme von Permethrin erfolgt hauptsächlich über die Haut,
z.B. durch Kontakt mit behandelten Materialien. Kinder sind aufgrund ihrer
empfindlicheren Haut stärker gefährdet als Erwachsene. Die vorliegenden Hinweise
waren für das Umweltbundesamt und das Bundesgesundheitsamt Grund genug, um in
Presseerklärungen vor der Anwendung von Pyrethroiden in Innenräumen zu warnen.
Neben Pestiziden werden zur Schädlingsbekämpfung hormonähnliche Substanzen
eingesetzt, die die Störung des Insektenwachstums bewirken. Methopren besitzt eine
juvenilhormonähnliche Wirkung; dies bedeutet, dass die Larvenentwicklung und
Verpuppung verhindert werden. Methopren wird u.a. zur Flohbekämpfung bei Hunden und
Katzen eingesetzt23.
Materialanalytik ca. 260 Biozide: Die Untersuchung
erfolgt in Anlehnung an die DFG-Methode DFG S19/S8. Die homogenisierten Proben
werden nach Zugabe eines internen Standards mit Ethylacetat am Soxhlet extrahiert.
Der Extrakt wird filtriert, anschließend eingeengt und über Kieselgel/Aktivkohle
aufgereinigt. Das Eluat wird auf 1ml eingeengt und gaschromatographisch untersucht.
Gaschromatographische Trennung mit MS/NC-Ionisation und ECD/NPD-Detektion. Die
Quantifizierung erfolgt gegen externe Kalibrierung unter Berücksichtigung des
internen Standards. Bestimmungsgrenze: zwischen 0,01 und 1 mg/kg pro Substanz.
Insgesamt werden ca. 260 verschiedene Biozide mit dieser Analytik erfasst. Sie
bietet sich damit vor allem an, wenn Verdacht auf eine Pestizidbelastung besteht,
aber keine Informationen über die einzelnen Substanzen vorliegen. Das kann nach
Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen in Innenräumen sein, nach Verwendung von
topfkonservierten Lacken oder Klebern, aber auch nach dem Umbau von Gebäuden zu
Wohnhäusern, in denen früher Gewerbebetriebe mit heute nicht mehr zu ermittelnden
Bioziden gearbeitet haben. Ein Fall aus unserer eigenen Praxis: nachdem ein ehemals
von einem landwirtschaftlichen Betrieb genutztes Gebäude zu Büro- und
Aufenthaltsräumen umgebaut wurde, klagten die in einem Raum beschäftigten
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über üble Gerüche und gesundheitliche Beschwerden.
Luftuntersuchungen auf VOC und Hausstaubuntersuchungen auf Biozide ergaben deutliche
Belastungen mit chlorierten Lösemitteln und Pestiziden und es stellte sich heraus,
dass in dem Problemraum früher Pflanzenschutzmittel gelagert worden waren.
Auch Textilien, Leder und Dämmstoffe aus organischem Material können mit Pestiziden
zur Abwehr von Insekten und Schimmelpilzen behandelt sein.
In der folgenden Liste finden Sie alle mit dieser Analytik erfassten
Einzelsubstanzen:
|
23Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Winterthurstr. 260,
8057 Zürich, 2004, www.vetpharm.unizh.ch/WIR/00004059/6698_02.htm
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11 Polychlorierte Biphenyle (PCB)
Luftanalytik: Die Luftproben werden auf Florisil-Sammelröhrchen oder auf
spezielle Polyurethanschaum-Kartuschen gezogen. Es werden beide Methoden angeboten,
wobei unsererseits die Sammlung auf Florisil bevorzugt wird, da sowohl die
Aufreinigung der PU-Schäume als auch die Analyse selbst mit einem wesentlich höheren
Lösemittelverbrauch als bei der Florisilmethode verbunden ist.
In der VDI 4300 Blatt 2 werden beide Verfahren als gleichwertig genannt. Extraktion/
Elution der Sammelmedien mit n-Hexan; bei Bedarf säulenchromatographische
Aufreinigung des Extraktes an zwei unterschiedlichen stationären Phasen (
Benzolsulfonsäure und Silicagel), Analyse mit Kapillargaschro-matographie und
Elektroneneinfang-Detektor bzw. Massenspektrometer. Quantifizierung mittels inter-nem
Standard und Vergleichsgemisch. Die Untersuchung erfolgt auf PCB-Kongeneren 28, 52,
101, 138, 152 und 180 (Nummerncode nach Ballschmiter). Nach einer Empfehlung des
ehemaligen Bundesgesundheitsamtes errechnet sich die Gesamt-PCB-Konzentration in
Raumluft aus der Summe der PCB-Kongeneren 28, 52, 101 und 138 multipliziert mit dem
Faktor 624 . Nach einer Empfehlung der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall
(LAGA) errechnet sich aus der Summe der Einzelkonzentrationen dieser sechs "
Indikator"-PCB-Kongenere multipliziert mit dem Faktor fünf näherungsweise der
Gesamt-PCB-Gehalt. Es werden die Gesamt-PCB-Gehalte nach beiden Berechnungsverfahren
im Bericht an-gegeben. Bestimmungsgrenze bei 250 Litern Sammelvolumen je Kongener: 0,
5 ng/m3 .
Staubanalytik: Extraktion der Staubprobe im Ultraschallbad mit Aceton/
Cyclohexan (1:1). Die Analyse erfolgt gaschromatographisch mit Massenspektrometer.
Quantifizierung mittels internem Standard. Die Untersuchung erfolgt auf PCB-
Kongeneren 28, 52, 101, 138, 152 und 180 (Nummerncode nach Ballschmiter). Berechnung
Gesamt-PCB-Gehalt nach LAGA (s. Luftanalytik). Bestimmungsgrenze: 0,02 - 0,05 mg/kg
je Kongener bei einer Einwaage von 250 mg.
Materialanalytik: Extraktion der Materialprobe mit n-Hexan am Soxhlet; bei
Bedarf säulenchromatographische Aufreinigung des Extraktes an zwei unterschiedlichen
stationären Phasen (Benzolsul-fonsäure und Silicagel), Analyse mit
Kapillargaschromatographie und Elektroneneinfang-Detektor bzw. Massenspektrometer.
Quantifizierung mittels internem Standard. Die Untersuchung erfolgt auf PCB-
Kongeneren 28, 52, 101, 138, 152 und 180 (Nummerncode nach Ballschmiter). Berechnung
Gesamt-PCB-Gehalt nach LAGA (s. Luftanalytik). Bestimmungsgrenze: 0,1 - 0,5 mg/kg je
Kongener bei einer Einwaage von 250 mg.
Da PCB in vielen Anwendungen und Produkten eingesetzt wurden, sind sie seit langem
ubiquitär in den Umweltmedien Luft, Wasser und Boden verbreitet. Einen Beitrag dazu
leisteten nicht nur die offenen Systeme; mit der Zeit werden auch viele Kondensatoren,
Transformatoren, Wärmetauscher und Hydrauliksysteme, die zu
den "geschlossenen" Systemen gezählt werden, undicht. Die Unterscheidung
zwischen "offenen" und "geschlossenen" Systemen ist daher
obsolet; spätestens auf der Müllkippe wird aus dem geschlossenen Kondensator,
eingebaut z.B. in einer Waschmaschine, durch Korrosion ein offenes System. Dass seit
1978 PCB in offenen Systemen wie Lacken, Schmierölen, Druckfarben, Dichtungsmassen
und Kunststoffen nicht mehr eingesetzt werden dürfen, ist nur ein schwacher Trost.
Allein in Hydrauliksystemen, die im Bergbau eingesetzt werden und zu den "
geschlossenen" Systemen zählen, wurden bis 1983 rund 10000 t
PCB "verbraucht" - will sagen: freigesetzt25.
In Innenräumen fielen PCB erstmals auf, als sich in einem Marburger Gymnasium 1988
Lampenschalen auffällig gelb verfärbten. Nachforschungen ergaben, dass aus undichten
Leuchtstofflampen-Kondensatoren PCB-haltiges Öl tropfte und zu hohen Belastungen des
Staubes und der Luft geführt hatte. In der Folge wurden vor allem in öffentlichen
Gebäuden überall in der Bundesrepublik PCB-haltige Kondensatoren aufgespürt und
ausgetauscht. Bei der anschließenden Kontrolle der Raumluft auf PCB konnte entgegen
den Erwartungen in einigen Fällen keine Entwarnung gegeben werden; nach wie vor waren
PCB in hohen Konzentrationen in der Raumluft zu finden. In einer Gesamtschule in Köln
wurde 1989 schließlich die Ursache gefunden. Dauerelastische Dichtungsfugen zwischen
den Beton-Bauelementen des Gebäudes enthielten PCB in großen Mengen als Weichmacher.
Die Kölner Gesamtschule ist kein Einzelfall: bis ca. 1975 wurden Dichtungsmassen mit
einem PCB-Anteil von bis zu 30% und mehr routinemäßig in Innen- und Außenfugen
eingesetzt. Zwar wurden bisher hauptsächlich öffentliche Gebäude wie Schulen,
Turnhallen, Kindergärten und (seltener) Verwaltungen untersucht, doch nicht nur sie
sind betroffen. Alle Großplattenbauten, die vor 1975 erbaut wurden, müssen nach den
bisherigen Erfahrungen als Verdachtsgebäude gelten. Das gilt auch für reine
Wohngebäude, wie Untersuchungen in Berlin belegen. In mehreren Wohnungen der Berliner
Gropiusstadt, einem weitgehend in Tafelbauweise erbauten Neubauviertel, wurden 1994
bei Stichprobenmessungen PCB-Konzentrationen gefunden, die deutlich über dem
Vorsorgewert von 300 ng/m3 liegen. Eine weitere Quelle für höchste PCB-
Belastungen der Raumluft wurde bei Messungen in einer Schule in Berlin-Tiergarten
entdeckt: Heizungsrohre in einem Klassenraum, die offen mit einer PCB-haltigen
Dichtmasse zu Wand hin verlegt worden waren. Bei weiteren Untersuchungen in Berlin
26 wurde festgestellt, dass in einigen Fällen Kleber von Stäbchenparkett P
CB-Gehalte im unteren Prozentbereich aufweisen. In einer neueren Veröffentlichung
27 werden alte Buntsteinputze als PCB-Quelle genannt, denen PCB als
Weichmacher zugesetzt wurden und die zum Beispiel in Treppenhäusern und Turnhallen
wegen ihrer Strapazierfähigkeit eingesetzt wurden.
Primärquellen für PCB in Innenräumen: defekte Kondensatoren, Polysulfit-
Fugendichtungsmassen, Akustik-Deckenplatten, Brandschutzfarben, im Betonbau
verwendetes Schalöl, Kleber, Buntsteinputz.
24Lukassowitz, I.: Polychlorierte Biphenyle in der Innenraumluft;
Bundesgesundheitsblatt 11/90, S.497-499
25Lorenz, H., Neumeier, G.: "Polychlorierte Biphenyle", gemeinsamer
Bericht des BGA und des UBA. Bericht 4/83, Medizin Verlag München.
26Institut für Umweltanalytik und Humantoxikologie; Bericht - Polyzyklische
aromatische Kohlenwasserstoffe und Pestizide in Berliner Wohnungen, 2000
27Weis N., Köhler M., Zorn C.: Highly PCB-contaminated schools due to PCB-
containing roughcast; Healthy Buildings 2003 Proceedings, Vol. 1, 282-288
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12 Weichmacher
Luftanalytik: Sammlung der Weichmacher auf Florisil-Sammelröhrchen,
Elution des Probenahmeröhrchens mit Diethylether, Analyse mit
Kapillargaschromatographie und Massenspektrometer; quanti-tative Bestimmung nach der
Methode des Internen Standard und Vergleichsgemisch. Bestimmungsgrenze:
20-50 ng/m3 pro Substanz bei 500 Litern Sammelvolumen.
Staubanalytik: Die Probe wird nach Zugabe von internen Standards mit
Cyclohexan/Aceton (1:1) im Ultraschallbad extrahiert. Die Analyse wird mittels
Kapillar-Gaschromatographie und Massenspektro-meter durchgeführt. Die quantitative
Bestimmung der Weichmacher erfolgt nach der Methode des In-ternen Standards und
Vergleichsgemisch; Bestimmungsgrenze: 1mg/kg; für DIDP und DINP 10 mg/kg bei einer
Einwaage von 250 mg.
Materialanalytik: Extraktion der Materialprobe am Soxhlet bzw. im
Ultraschallbad, Analyse mit Kapil-largaschromatographie und Massenspektrometer;
quantitative Bestimmung der Zielsubstanzen mit internem Standard und
Vergleichsgemisch. Bestimmungsgrenze: 1mg/kg; für DIDP und DINP 10 mg/kg bei einer
Einwaage von 250 mg.
Weichmacher sind Chemikalien, die in enormen Mengen produziert werden. Sie werden
Kunststoffen, hauptsächlich PVC, beigemischt, um sie elastisch und gut verarbeitbar
zu machen.
PVC-Produkte bestehen oft nur zu weniger als der Hälfte aus PVC. Den Rest machen
Zusatzstoffe aus, die für die unterschiedlichen Eigenschaften der aus PVC
hergestellten Gegenstände verantwortlich sind. An erster Stelle stehen dabei
Weichmacher, darüber hinaus werden Farbstoffe, Pigmente, Stabilisatoren,
Flammschutzmittel und weitere Hilfsmittel zugefügt.
Die in den größten Mengen eingesetzten Weichmacher gehören zur Stoffgruppe der
Phthalate. Phthalat-Weichmacher haben einen großen Nachteil: sie bleiben nicht in dem
Kunststoff, dem sie zugesetzt werden, sondern gasen mit der Zeit aus oder gehen bei
Berührung auf andere Materialien über. Fachmenschen mit Sinn für Poesie haben dafür
den Begriff "Weichmacherwanderung" geprägt.
Die Folgen des Bewegungsdranges der Weichmacher sind unangenehm: einerseits werden
die auf die weichmachende Wirkung der Phthalate angewiesenen Kunststoffe hart und
spröde, andererseits stellen vagabundierende Weichmacher eine schwer zu kalkulierende
Gesundheitsgefahr dar.
Fest steht: der in den größten Mengen hergestellte Weichmacher, Di-(2-ethylhexyl)-
phthalat, abgekürzt DEHP, ist als fortpflanzungsgefährdend der Katagorie 2
28 eingestuft. Seine Dämpfe reizen Augen und obere Atemwege29.
Fest steht auch, dass genau dieser Stoff in Weich-PVC-Produkten wie Fußbodenbelägen,
Vinyltapeten und Selbstklebefolien in großen Mengen enthalten ist. Und nicht nur dort
kann man ihn finden: die Atemluft in vielen Wohnungen, der Hausstaub und auch
Lebensmittel enthalten alarmierend hohe Konzentrationen der problematischen Substanz.
Seit dem 30.7.2002 müssen Zubereitungen, die mehr als 0,5% DEHP enthalten
EU-weit mit dem Buchstaben T (giftig) und dem Gefahrensymbol "Totenkopf"
gekennzeichnet werden*30). In Kinderspielzeug für Kinder unter 3 Jahren
ist der Einsatz verboten.
Da DEHP seit vielen Jahren unter dem Verdacht steht Gesundheit und Umwelt zu
gefährden, wird es in jüngster Zeit zunehmend durch Gemische isomerer
Diisononylphthalate (DINP), zum Teil auch durch Diisodecylphthalate (DIDP) ersetzt.
Weiterhin werden Ester der aliphatischen Dicarbonsäuren, z.B. Di(2-ethylhexyl)adipat
(DEHA bzw. Synonym Dioctyladipat DOA) sowie Dibutylmaleinat eingesetzt. Sie ähneln
in ihren Stoffeigenschaften den Phthalaten, weisen aber eine geringere Toxizität auf.
Sie sind in ihrer Herstellung teurer als Phthalate, verdrängen diese jedoch zunehmend.
31 .
Das Weichmacherproblem ist untrennbar mit PVC verbunden. Wie kein anderer Kunststoff
ist PVC auf Zusatzstoffe - vor allem Weichmacher - angewiesen. PVC ohne Weichmacher -
das ist ein spröder, wenig schlagzäher Werkstoff, für den es nur einen begrenzten
Anwendungsbereich gibt. Gäbe es keine Weichmacher, PVC hätte nie die große Bedeutung
im Bausektor erlangen können, die es heute hat.
Eine weitere Quelle für Weichmacher vom Phthalat-Typ sind scheuerbeständige
sogenannte "Latex"-Farben für Innenanstriche. Diese Anstriche werden häufig
in Kombination mit Glasfasertapeten in besonders beanspruchten Räumen (Schulen, Büros,
Hotels, Krankenhäuser) verwendet. Sie enthalten meist relativ leichtflüchtige
Phthalate, z.B. Dimethylphthalat (DMP), die aufgrund ihres hohen Dampfdrucks stark
ausgasen. DMP-Raumluftkonzentrationen von 100 - 200 µg/m3 sind nach
Verwendung derartiger Farben keine Seltenheit.
Quellen für Weichmacher in Innenräumen: PVC-Fußbodenbeläge, Latexfarben, Teppich-
Rückenbeschichtungen, Strukturschaumtapeten, Faltwände, PVC-weich-Profile, PVC-
Elektrokabel, Aufblasmöbel, PVC-Folien, Badewannen- und Duscheinlagen, (Dusch)-
Vorhänge, "Wachs"tücher, Wäscheleinen mit PVC-weich-Ummantelung, PVC-
Spielzeugfiguren, Türpuffer, Saughaken. Man findet sie auch in Schuhsolen, Parfüms
und Duftölen.
28Anhang 1 der Richtlinie 67 / 548 / EWG für die Einstufung, Verpackung
und Kennzeichnung gefährlicher Stof-fe, Stand 2001 / 59 / EG
29Baumann, W., Muth, A.: Farben und Lacke: Daten und Fakten zum
Umweltschutz Bd. 1. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1997 S. 348
30Strategie zur Risikominimierung für DEHP, Zusammenfassung einer KEMI-
Studie für die EU durch "Health Care Without Harm" 4/2003
31Freudenthal, G. Vorkommen und Verteilung von mittel- und
schwerflüchtigen Schadstoffen in Innenräumen; Bremer Umweltinstitut 2004
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13 Flammschutzmittel
Staub- und Materialanalytik: Die Probe wird
nach Zugabe von internen Standards mit Cyclohexan / Aceton (1:1) im Ultraschallbad
extrahiert. Die Analyse wird mittels Kapillar-Gaschromatographie Massenspektrometer
durchgeführt. Die quantitative Bestimmung der Flammschutzmittel erfolgt nach der
Methode des Internen Standards und Vergleichsgemisch; Bestimmungs-grenze: 0,1 mg/kg -
3 mg/kg bei einer Einwaage von 250 mg.
Staub- und Materialanalytik: Die Probe wird mit
Toluol bzw. Ethylacetat nach Zugabe von internen Standards extrahiert. Die organische
Phase wird abgenommen und ggf. über Kieselgel/Schwefelsäure aufgereinigt und
aufkonzentriert. Die Analyse erfolgt mittels GC/MS im NCI und/oder EI. Die
quantitative Bestimmung der Wirkstoffe erfolgt nach der Methode des Internen
Standards und Vergleichsgemisch. Bestimmungsgrenze: 0,1 mg/kg - 1 mg/kg.
Staubanalytik: Die Probe wird mit Toluol bzw. Ethylacetat nach
Zugabe von internen Standards extrahiert. Die organische Phase wird abgenommen und
ggf. über Kieselgel/Schwefelsäure aufgereinigt und aufkonzentriert. Die Analyse
erfolgt mittels GC/MS im NCI/PCI bzw. GC/ECD. Die quantitative Bestimmung der
Wirkstoffe erfolgt nach der Methode des Internen Standards und gegen entsprechende
technische Gemische mit gleichem Muster.
Ähnlich wie Weichmacher werden Flammschutzmittel in großen Mengen hergestellt. Sie
werden Kunststoffen, Textilien sowie Holz zugesetzt, um diese üblicherweise leicht
brennbaren Stoffe flammfest bzw. schwer entflammbar zu machen. Oft werden
Flammschutzmittel Kunststoffen bereits bei der Polymerisation zugegeben, teilweise
aber auch an fertigen Produkten oder Halbprodukten in Form von Überzügen angewendet.
Neben anorganischen Verbindungen wie Aluminiumoxidhydraten und Ammoniumphosphaten
werden halogenierte organische Verbindungen wie polychlorierte Naphthaline,
polybromierte Biphenyle und chlorierte organische Phosphorsäureester (z.B. Tris(2-
chlorethyl)phosphat [TCEP]) eingesetzt. Darüber hinaus werden auch nicht-halogenierte
organische Phosphorverbindungen (z.B. Trikresylphosphat) verwendet, die neben der
flammhemmenden Wirkung auch Weichmacherfunktion besitzen.
Halogenierte und nicht-halogenierte organische Phosphate finden sich in Innenräumen
hauptsächlich in Polyurethan-Weichschäumen wie sie z.B. verwendet werden in Polstern
und Matratzen, in Orts- oder Montageschäumen zum Einbau von Fenster- und Türrahmen,
in Farben und Lacken, Tapeten, Textilien und in den Gehäusen und Leiterplatten von
elektronischen Geräten. Üblicherweise werden sie dem Material in Konzentrationen
zwischen 10 und 20 Prozent zugesetzt.
Eine weitere, bisher nicht beachtete Quelle für Flammschutzmittel können bestimmte
Bodenpflegemittel sein. Im Hausstaub einer Schule in Süddeutschland fanden sich hohe
Konzentrationen eines organischen Phosphats. Nach langer Suche wurde eine
"Selbstglanzdispersion" als Ursache ausge-macht. Das Produkt enthielt nach
Herstellerangaben Tris-(2-butoxyethyl)-phosphat in einer Konzentration von max. 1%.
Bei üblicher Anwendung führt das zu einem Auftrag von ca. 500 mg Tris-(2-butoxyethyl)-
phosphat pro m3 Boden.
Ähnlich wie die als Weichmacher eingesetzten Phthalate gasen organische Phosphate und
auch die bromierten Flammschutzmittel mit der Zeit aus den Fertigprodukten aus und
kondensieren teilweise auf anderen Oberflächen im Raum und im Hausstaub.
Die Datenlage hinsichtlich der Humantoxizität der als Flammschutzmittel eingesetzten
organischen Phosphorsäureester ist unbefriedigend. Die Angaben zur Toxikologie
basieren im Wesentlichen auf Tierversuchen. Hier konnten für TCEP eine
nervenschädigende Wirkung sowie eine erhöhte Rate an Nierentumoren nachgewiesen
werden. TCEP ist laut Gefahrstoffverordnung32 als krebserzeugend (K2) und
fortpflanzungsgefährdend (RF2) eingestuft und mit den Gefahrensymbolen quot;Verdacht
auf krebserzeugende Wirkung", "gesundheitsschädlich beim Verschlucken"
und "umweltgefährlich" sowie "haut- und augenreizend" zu versehen.
Gemäß EG-Richtlinie 67 / 548 / EWG33 wird TCEP als krebserzeugend (K3)
eingestuft.
Die Chlorparaffine sind eine weitere Gruppe von Substanzen, die auch im Hausstaub
gefunden werden. Es handelt sich hierbei um Isomerengemische von Alkanen mit
unterschiedlichem Chlorierungsgrad. Man unterscheidet zwischen kurzkettigen (C10 -
C13) und langkettigen (C14 - C17) Chlorparaffinen.
Chlorparaffine haben ähnliche technische Eigenschaften wie PCB und wurden
weitverbreitet als Flammschutzmittel bzw. Weichmacher in verschiedensten Produkten
wie Farben, Gummi, Öl, Beschichtungen, Fugendichtmassen etc., aber auch als
Fettungsmittel für Leder verwendet. Chlorparaffine sind wie andere chlorierte
Kohlenwasserstoffe sehr langlebig. Speziell die kurzkettigen Chlorparaffine sind als
möglicherweise krebserregend (K3)34 eingestuft. Ihre Anwendung in der
Metall-verarbeitenden Industrie und zum Fetten von Leder wurde von der EU im Juni
2002 verboten35 .
Quellen für Flammschutzmittel in Innenräumen: Polyurethan-Weichschäume (Möbelpolster
und Matratzen), Hartschäume (Montageschäume, Dämmschäume), Dekorationstextilien,
textile Bodenbeläge, Tapeten, Farben und Lacke, elektronische Geräte.
32Gefahrstoffverordnung, Technische Regeln für Gefahrstoffe TRGS 905 bzw.
906 Nr. 67, Fassung 10/2003
33Richtlinie 67 / 548 / EWG für die Einstufung, Verpackung und
Kennzeichnung gefährlicher Stoffe, Anhang 1,
Stand 2001 / 59 / EG
34Richtlinie 67 / 548 / EWG für die Einstufung, Verpackung und
Kennzeichnung gefährlicher Stoffe, Anhang 1,
Stand 2001 / 59 / EG
35Richtlinie 2002/45/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 25.
Juni 2002 zur 20. Änderung der Richtlinie 76/769/EWG des Rates hinsichtlich der
Beschränkungen des Inverkehrbringens und der Verwendung gewisser gefährlicher Stoffe
und Zubereitungen (kurzkettige Chlorparaffine)
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14 Polychlorierte Dibenzodioxine und -furane (PCDD/PCDF)
Materialanalytik: Die Analyse von Dibenzodioxinen und -furanen in Boden,
Hausstaub und Wischproben erfolgt in Anlehnung an VDI 3499 Blatt 1 (93-01). In
Stichworten: Extraktion der Proben mit Toluol, Reinigung des eingeengten Extraktes
mittels Säulenchromatographie, Bestimmung der Gehalte mit hochauflösender
Gaschromatographie und massenselektivem Detektor (GC/MS).
Die Hauptursachen für PCDD/PCDF-Belastungen in Innenräumen sind mit PCP-haltigen
Holzschutzmitteln behandelte Oberflächen sowie Wohnungsbrände. Die Bildung von PCDD/
PCDF bei Wohnungsbränden ist vor allem auf die Verbrennung bzw. Verschwelung von PVC (
Kabelisolierungen, Kunstleder, Fußbodenbeläge, Fensterrahmen etc.) sowie
chlorparaffinhaltigen Kunststoffen, Textilien, Anstrichmitteln und anderen
organochlorhaltigen Materialien zurückzuführen.
PBDD/PBDF (polybromierte Dibenzodioxine und -furane) entstehen bei der Verbrennung
bzw. Verschwelung oder thermischen Zersetzung von mit bromorganischen Stoffen (
polybromierte Diphenylether, Biphenyle etc.) flammhemmend ausgerüsteten Kunststoffen.
Solche Kunststoffe finden häufig als Gehäuseteile von Elektrogeräten, z.B. für manche
Fernsehgeräte und Computer, Verwendung.
Dioxine treten fast immer in Mischungen unterschiedlichster Zusammensetzung auf,
wobei die Toxizität der einzelnen Dioxine recht unterschiedlich ist. Als giftigstes
Dioxin gilt das 2,3,7,8- Tetrachlordi-benzodioxin
(2,3,7,8 TCDD, "Sevesogift"). Um die Giftigkeit von Dioxingemischen zu
bewerten, wird jedem Dioxin ein
sogenannter Toxizitätsäquivalenzfaktor (TEF) zugeteilt, der die Giftigkeit dieses
Stoffes relativ zum 2,3,7,8-TCDD (TEF=1) ausdrückt. Durch Multiplikation der
Konzentrationen der Einzelsubstanzen mit ihren TEF´s lassen sich Äquivalenzmassen (
TEQ) berechnen, welche ein Maß für die Wirksamkeit von Dioxingemischen im Vergleich
zur Einzelsubstanz 2,3,7,8-TCDD sind36.
Die nach Bränden und im Ruß bislang festgestellten Gehalte an PCDD/PCDF liegen,
ausgedrückt in toxischen Äquivalenten (TEQ), bei Wohnungs-, Schul-, Büro-, Laden- und
Werkstattbränden unter 200 ng TEQ/m3. Wo sichtbar größere Mengen PVC oder
andere chlororganische Stoffe enthaltende Materialien verbrannten bzw. verschwelten (
öffentliche Gebäude, Praxen, Lager etc.) traten Gehalte bis 10.000 ng TEQ/m
3 auf.
Halogenierte Dibenzodioxine/-furane und andere im Brandfall gebildete organische
Schadstoffe werden sehr stark adsorptiv von Ruß gebunden. Ihre Mobilität und
Volatilität sind daher nach dem Abkühlen der Rauchgase und der vollständigen
Deposition von Ruß und Rauchkondensaten signifikant vermindert. Die Rauchkondensate
sind im Gegensatz zum Flockenruß relativ fest mit dem Untergrund verbunden.
36Falbe J., Regitz M.: Römpp - Chemie Lexikon, Thieme Verlag 1990
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15 Schwermetalle
Luftanalytik Quecksilber: Sammlung des Quecksilbers auf goldbedampfte
Aktivkohle, thermische Desorption des beladenen Aktivkohle-Röhrchens, quantitative
Analyse mittels Fluoreszensspektromer. Bestimmungsgrenze bei 10 Litern Sammelvolumen:
1 ng/m3
Staub- und Materialanalytik: Aufschluss der Probe mit Königswasser,
quantitative Bestimmung mittels ICP-MS. Probenvorbereitung und Analysenmethode
variieren in Abhängigkeit von der Matrix und der Zielsetzung. Bestimmungsgrenzen:
Material/Boden.:
- 0,4 - 10 mg/kg pro Element,
- Hausstaub: 0,5 - 5 mg/kg pro Element,
- bei Einzelelementuntersuchungen nachfragen.
Schwermetalle und ihre Verbindungen können über verschiedene Wege in den Staub der
Innenraumluft gelangen. Zum einen wird die Raumluft durch Stäube belastet, die z.B.
bei Schleif- und Sägearbeiten oder durch unvermeidbaren Abrieb von
Gebrauchsgegenständen wie Teppichböden freigesetzt werden. Auch Asche- und
Schlackeschüttungen in Zwischendecken von Altbauwohnungen sind eine mögliche Quelle.
Zum anderen muss hier das Ausgasen einiger Verbindungen/Schwermetalle genannt werden,
die in Anstrichen oder Holzschutzmitteln verwendet werden. Dabei handelt es sich v.a.
um organische Verbindungen von Quecksilber, Arsen, Blei und Zinn. Diese werden
teilweise an Staubpartikeln adsorbiert und führen so zu einer latenten
Gesundheitsgefährdung.
Das Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene (WaBoLu) führte Anfang der 1990er-
Jahre eine repräsentative Studie zur Schwermetallbelastung im Hausstaub durch.
Hierbei wurden 2731 Hausstaubuntersuchungen auf die Elemente Arsen, Blei, Cadmium,
Chrom, Kupfer, Nickel und Zink durchgeführt37. Im Jahre 1994 untersuchte G.
Riehm im Rahmen einer Diplomarbeit 79 Hausstaubproben38. Beide
Untersuchungen belegen, dass es durchaus erhebliche Unterschiede in der
Schwermetallbelastung des Hausstaubes gibt, die ggf. auch auf Emittenten im Haus
zurückzuführen sind. Da bisher nur recht wenige Studien zu der Fragestellung
Schwermetalle in Innenräumen bekannt sind, gibt es ent-sprechend wenige Aussagen zu
deren Ursachen.
Besonders hervorzuheben ist die Belastung von Gebäudesubstanz, Staub und Raumluft mit
Quecksilber im Zusammenhang mit der Verwendung von Amalgam in Zahnarztpraxen
37.
Die folgende Tabelle gibt mögliche Ursachen an. Sie stellt keinen Anspruch auf
Vollständigkeit. Nahezu jedes der untersuchten Elemente kann seine Ursache ebenfalls
durch Schüttungen von Asche und Schlacke in Deckenfüllungen haben.
Einzelsubstanzen:
|
|
Schwermetalle rufen verschiedenste Krankheitssymptome hervor. Deshalb ist es
geradezu unmöglich aufgrund von Krankheitssymptomen auf die Belastung durch ein
bestimmtes Element zu schließen. Es ist vielmehr sinnvoll, mittels einer
Hausstaubuntersuchung die konkrete Belastungssituation zu ermitteln. Bei Arsen werden
Nervenleiden, Schwäche, Blutarmut und Hautentzündungen als Symptome genannt. Für Blei
gelten Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Nervosität und Kopfschmerzen als Anzeichen einer
Belastung. Bei erhöhter Cadmiumaufnahme sind Leber- und Nierenschädigungen sowie
Knochenveränderungen zu nennen. Quecksilber schädigt das Immunsystem und führt zu
Kopfschmerzen sowie Hautreizungen.
Die anderen Schwemetalle können ebenfalls zu gesundheitlichen Belastungen führen. Die
Elemente Nickel, Cobalt und Chrom gelten beispielsweise als Allergieauslöser. Bei
Arsen, Blei, Chrom, Cadmi-um, Cobalt, Nickel und Quecksilber gibt es Spezies, die als
carzinogen, mutagen und/oder teratogen gelten.
37Umwelt-Survey Band IIIa Wohn-Innenraum: Spurenelemente im Hausstaub,
WaBoLu-Heft 2/91
38Riehm Gerhard; Schwermetalle im Innenraum - Nachweis und Vorkommen in
Hausstaub und Materialien
39Schneider U.: Sanierung einer quecksilberbelasteten Zahnstation -
Probleme bei der Konversion eines Sani-tätsgebäudes zum Wohnhaus; Umwelt,
Gebäude & Gesundheit, Ergebnisse des 7. Fachkongresses der
Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Forschungsinstitute (AGÖF) 2004; S. 127-135
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16 Asbest
Luftanalytik: Die Luftuntersuchung auf Asbest erfolgt nach VDI 3492. Es
werden 3,5 m3 Luft bei ei-nem Volumenstrom von 7,6 Liter/min über einen
goldbedampften Kernporenfilter gesaugt. (Hierbei ist die flächenbezogene
Ansauggeschwindigkeit die entscheidende Größe: 2 Liter pro Minute und
Quadratzentimeter effektiver Filterfläche) Der Filter wird hängend in Atemhöhe
(ca. 1,5 m) angebracht. Falls die Probenahme in einem ungenutzten Raum stattfindet,
wird unmittelbar vor bis spätestens eine Stunde nach Beginn der Probenahme eine
Nutzung simuliert. Als Nutzungssimulation gelten laut VDI definiertes Anblasen von
Oberflächen mit Hilfe eines Haushaltsföns oder mit Pressluft, Balltippen mit einem
Lederball, Türenschlagen und Fallenlassen von Gegenständen. Die Nutzungssimulation
ist der jeweils typischen Raumnutzung anzupassen. Der bei der Probenahme verwendete
Kernporenfilter wird verascht und im Raster-Elektronenmikroskop (REM) untersucht. Die
Fasern werden bei 2000 bis 5000-facher Vergrößerung ausgezählt. Durch die Bestimmung
der Elementzusammensetzung mit der energiedispersiven Mikroanalyse (EDXA) werden
Asbestfasern von anderen Fasern unterschieden. Als Fasern werden Partikel gezählt,
für die folgende Bedingungen gelten:
- Länge 2,5 µm bis 100 µm
- Durchmesser <3 µm
- Verhältnis Länge zu Durchmesser 3:1.
Die Gesamtheit der Fasern ist lungengängig. Die gefundenen Fasern werden
aufgrund ihrer Toxizität in zwei Längenklassen (2,5µm-5µm und 5µm-100µm) unterteilt.
Die erste Klasse gilt als weniger toxisch und wird bei der Beurteilung nicht
berücksichtigt.
Materialanalytik: Die Materialprobe wird qualitativ auf ihren Gehalt an
Asbestfasern bzw. Asbestpartikeln untersucht. Die Probe wird bei 200 bis 400 -facher
Vergrößerung unter dem Lichtmikroskop (Auflicht und Durchlicht) betrachtet und auf
die Anwesenheit von Fasern untersucht. Verdächtige Fasern werden unter dem
Polarisationsmikroskop näher untersucht. Asbestfasern werden aufgrund ihrer optischen
Eigenschaften identifiziert, unter Einsatz eines McCrone-Objektivs und verschiedener
Immersionsflüssigkeiten.
Abtupfproben: Die Abtupfprobe wird qualitativ auf ihren Gehalt an Asbestfasern
bzw. Asbestpartikel untersucht. Die Probe wird nach Präparation (Bedampfen mit Gold)
im Rasterelektronenmikroskop bei 200- bis 5000-facher Vergrößerung untersucht.
Verdächtige Fasern werden mit angeschlossener energiedispersiver Elektronenstrahl-
Mikroanalyse auf ihre Elementzusammensetzung untersucht.
Asbest ist ein Sammelbegriff für ein faseriges natürliches Material, das sich leicht
in feinste Fasern aufspaltet. Es gibt verschiedene Asbestsorten, die jedoch alle
ähnliche Eigenschaften aufweisen: sie sind sehr hitzebeständig, praktisch nicht
brennbar, schlecht wärmeleitend und widerstehen der Zersetzung durch Umwelteinflüsse.
Langfaserige Arten lassen sich zu Fäden und Geweben spinnen. Aufgrund dieser
Eigenschaften wurde Asbest in mehr als 3000 verschiedenen Produkten verarbeitet.
Asbest ist z.B. enthalten in Spritzasbest, Asbestzement und fest gebundenen
Asbestprodukten wie Fassadenplatten, Dachplatten, Auskleidung von Lüftungskanälen,
Nachtspeicherheizungen und Innenraumflächen, Rohren für Wasser, Abwasser, Lüftung und
Abgas, Straßendecken (z.B. Autobahnkriechspuren), Überzüge zum Brandschutz usw.
Die Einführung der Asbestprodukte war von der Beständigkeit der Fasern bestimmt, die
jedoch selbst nicht dauerhaft in den Produkten gebunden sind. Durch Benutzung (
Fahrbahnen), Abrieb (Rohre, Bremsbeläge), Reparaturen und Sanierungsmaßnahmen (
Abschleifen von Dachplatten), Verwitterung und saurem Regen (Fassaden) werden Fasern
massiv an die Umgebung abgegeben.
Asbestfaserbüschel und Asbestfasern können sich unter Umweltbedingungen in kürzere
und dünnere Fasern aufspalten, die lungengängig sind. Die Fasern, die kürzer als 3 µm
und dünner als 1 µm sind, dringen bis in die Lungenbläschen vor und können
Bronchialkarzinome, Lungenveränderungen (Asbestose bei beruflich exponierten Personen)
und Bindegewebsveränderungen am Brustfell (Pleurafibrose) auslösen. Wegen ihrer
feinen, nadelartigen Form durchbohren diese Fasern die Zellwände, wandern von dort in
das Rippen- und in das Bauchfell (Mesotheliom) und können auch hier Krebs auslösen.
Von der Aufnahme der Fasern in den Körper bis zum Ausbruch einer Erkrankung können
mehrere Jahrzehnte vergehen; die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung steigt mit der
Konzentration der Fasern und vor allem mit der Einwirkzeit.
Damit sind vor allem
Kinder gefährdet. Außerdem lässt sich bei Asbest (wie bei anderen krebsauslösenden
Substanzen) keine Faserkonzentration angeben, bei der eine Krebsgefahr ausgeschlossen
ist. Schon eine einmalige Stoßbelastung kann zu Krebs führen. Nach amerikanischen
Untersuchungen sind dort derzeit 20% aller Krebserkrankungen auf Asbesteinwirkungen
zurückzuführen; neben dem Rauchen ist Asbest eine der häufigsten Ursachen für
Lungenkrebs. Obwohl die schädlichen Auswirkungen der Asbestfasern seit mehr als 20
Jahren bekannt sind, wurden bestimmte Produkte erst 1986 verboten. Altlasten wie
Fassadenplatten und Produkte, die jetzt noch Asbestfasern enthalten, verunreinigen
die Luft und das Wasser weiter mit diesen beständigen Fasern.
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17 Künstliche Mineralfasern (KMF)
Luftanalytik: siehe Asbest. Der Filter wird auf Asbestfasern, Gipsfasern
und sonstige anorganische Fasern untersucht. Zur Identifizierung der Quelle empfiehlt
es sich, eine Materialprobe mitzuuntersuchen.
Abtupfproben: Die Abtupfproben werden auf einen mit doppelseitigem Klebeband
vorbereiteten Probenteller des Rasterelektronenmikroskops (REM) durch Auftupfen auf
staubbelastete Flächen entnommen. Sie werden im Labor mit einer dünnen Goldschicht
bedampft, um sie zur Untersuchung im REM vorzubereiten. Im REM wird eine
Teilprobenfläche nach künstlichen Mineralfasern abgesucht. Der Vergleich mit
Produktfasern (s. Materialproben) erfolgt über die Elementzusammensetzung der KMF.
Diese wird durch energiedispersive Röntgenstrahlmikroanalyse (EDXA) bestimmt.
Materialanalytik:
Von den Proben werden jeweils einige KMF auf REM-Probenteller präpariert und mit
einer dünnen Goldschicht bedampft, um sie zur Untersuchung im REM vorzubereiten. Die
Charakterisierung der Produktfasern erfolgt durch Bestimmung der
Elementzusammensetzung per EDXA.
Bestimmung des Kanzerogenitätsindex (KI):
Wir empfehlen zur Erzielung eines optimalen Untersuchungsergebnisses bei niedrigsten
Kosten folgende Herangehensweise:
- Prüfung der Probe auf das Vorhandensein von WHO-Fasern (incl. Dokumentation
mittels Videoprint)
- Bei positivem Fasernachweis Bestimmung des Kanzerogenitätsindex (KI) mittels REM/
EDX-Verfahren (nicht BIA-konform!)
- Bei kritischem KI-Wert (nahe den Einstufungsgrenzen KI = 30 bzw. KI = 40) bzw.
für Gutachten, in denen das BIA-Verfahren explizit verlangt wird; Probenpräparation (
Trocknen, Glühen, Aufmahlen), nasschemische Bor-Bestimmung und RFA-Analyse.
Künstliche Mineralfasern werden aus Glas, Stein, seltener aus Schlacke oder
Aluminiumsilikat (Keramik) und anderen anorganischen Stoffen hergestellt. Glaswolle
ist meist gelb, Steinwolle grau. Sie dienen in erster Linie als Materialien zum
Brandschutz, zur Wärmedämmung und zur Schallisolation. Ihr Einsatz erfolgt in
Innenräumen in Form von Platten, Matten, Filzen, losen Schüttungen oder Schichtungen
an Dächern, Decken, Wänden, Rohr- oder Lüftungsleitungen. Jährlich werden etwa 14 Mio.
Tonnen Mineralwolle aus Glas, Stein und Schlacke produziert.
Der Haupteinsatzzweck von künstlichen Mineralfasern ist die Wärmedämmung. Da sie hier
einen Marktanteil von 60% halten (30% Polystyrol-Hartschäume), kommt ihrer
gesundheitlichen Bewertung eine große Bedeutung zu.
Seit Jahren wird auch bei künstlichen Mineralfasern eine krebserzeugende Wirkung, die
für Asbest seit langem erwiesen ist, diskutiert. Man weiß nach heutigem Kenntnisstand,
dass nicht chemische Inhaltsstoffe von Fasern, sondern die Faser selbst den
krebserzeugenden Stoff darstellt. So hängt eine krebserzeugende Wirkung von Fasern,
egal welcher Herkunft - anorganischen wie organischen, natürlichen wie künstlichen -
von Merkmalen wie ihrer Länge, ihrem Durchmesser und ihrer Beständigkeit ab.
Letzteres beschreibt ihre Fähigkeit, in der Lunge über viele Jahre zu haften. Fasern
mit einer Länge über 5 µm, einem Durchmesser von kleiner als 3 µm und einem Länge-zu-
Durchmesser-Verhältnis von über 3:1 werden nach einer Definition der
Weltgesundheitsorganisation als lungengängige ("kritische") Fasern oder
kurz "WHO-Fasern" bezeichnet. Weisen solche Fasern eine gewisse "
Biobeständigkeit" auf, werden sie als krebserzeugend eingestuft.
Die Einstufung der Kanzerogenität glasiger, d.h. amorpher WHO-Fasern aus Glas, Stein,
Schlacke und Aluminiumsilikaten (keramische Fasern) wird mit Hilfe des sogenannten
Kanzerogenitätsindex (KI) vorgenommen, der sich aus der Summe der Massengehalte der
Oxide von Bor, Natrium, Magnesium, Kalium, Kalzium und Barium abzüglich des doppelten
Massengehaltes von Aluminiumoxid der zu bewertenden Faser ergibt:
KI = ( ∑ B-, Na-, Mg-, K-, Ca-, Ba- Oxide ) - (2 x Al- Oxid)
Glasige WHO-Fasern mit einem Kanzerogenitätsindex KI ≤ 30 werden nach der
Technischen Richtlinie für Gefahrstoffe (TRGS 905) in die Kategorie 2 der
krebserzeugenden Stoffe nach GefStoffV Anhang I Nr. 1.4.2.1 eingestuft. Glasige WHO-
Fasern mit einem Kanzerogenitätsindex KI > 30 und < 40 werden in die Kategorie
3 eingestuft. Für glasige WHO-Fasern erfolgt keine Einstufung als krebserzeugend,
wenn deren Kanzerogenitätsindex KI ≥ 40 beträgt.
Der KI wird nur für glasige WHO-Fasern verwendet. Diese Einstufung kann durch
zusätzliche Erkennt-nisse, z.B. aus entsprechenden Tierversuchen, korrigiert werden.
Kategorie 1 (nach GefStoffV Anhang I Nr. 1.4.2.1):
Stoffe, die beim Menschen bekanntermaßen krebserzeugend wirken. Es sind hinreichende
Anhaltspunkte für einen Kausalzusammenhang zwischen der Exposition eines Menschen
gegenüber dem Stoff und der Entstehung von Krebs vorhanden.
Kategorie 2 (nach GefStoffV Anhang I Nr. 1.4.2.1):
Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten. Es bestehen
hinreichende Anhaltspunkte zu der begründeten Annahme, dass die Exposition eines
Menschen gegenüber dem Stoff Krebs erzeugen kann. Diese Annahmen beruhen im
allgemeinen auf:
- geeigneten Langzeit-Tierversuchen,
- sonstigen relevanten Informationen.
Kategorie 3 (nach GefStoffV Anhang I Nr. 1.4.2.1):
Stoffe, die wegen möglicher krebserzeugender Wikung beim Menschen Anlass zur
Besorgnis geben, über die jedoch nicht genügend Informationen für eine befriedigende
Beurteilung vorliegen. Aus geeigneten Tierversuchen liegen einige Anhaltspunkte vor,
die jedoch nicht ausreichen, um einen Stoff in Kategorie 2 einzustufen.
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18 Schwarzstaubablagerungen in Innenräumen:
Wisch-, Staub- und Materialproben: Die Probe wird nach Zugabe von
internen Standards im Ultraschallbad mit Cyclohexan/Aceton (1:1) extrahiert. Die
Analyse erfolgt mittels Kapillar-Gaschromatographie und Massenspektrometer. Die
quantitative Bestimmung der Substanzen erfolgt nach der Methode des Internen
Standards und Vergleichsgemisch; Bestimmungsgrenzen variieren in Abhängigkeit von der
Matrix, der beprobten Oberflächen, der Einwaage und der Substanz.
18.1 Schwarzstaub: Ruß, Dreck oder Spuk?
In den letzten Jahren tritt vor allem in der kalten Jahreszeit immer häufiger ein
Phänomen in Wohnungen auf, das sich in einer spontan auftretenden Schwärzung von
Wänden, Glas- und anderen Oberflächen zeigt. Innerhalb von Tagen oder Wochen
verschmutzen Tapeten, Fenster, Decken, Möbel, Teppiche, selbst die Innenwände von
Kühlschränken so stark, dass in Einzelfällen schon die Feuerwehr geholt wurde, da
Verdacht auf einen Schwelbrand vorlag. Durch Abwischen oder Abstauben werden die
Staubablagerungen nur verschmiert, da die betroffenen Oberflächen meist mit einem
leicht fettigen Film belegt sind. In den meisten der beobachteten Fälle gab es weder
Brände noch sonstige außergewöhnliche Staub- oder Rußquellen in den betroffenen
Wohnungen.
Oft sind aus zunächst unerfindlichen Gründen nur einzelne Wohnungen in großen,
ähnlich ausgestatteten Wohnkomplexen betroffen. All das macht solche
Schwarzstaubablagerungen zu einem besonders unheimlichen Phänomen, man findet in der
Literatur daher auch die Bezeichnungen "Magic Dust", "Ghosting"
oder "Black Sood Deposite" und "Fogging".
Nachdem man zunächst bei der Ursachenforschung im Dunklen tappte, sind mittlerweile
eine Reihe von Ursachen und begünstigenden Faktoren für die Entstehung des
Schwarzstaubphänomens bekannt:
- Unzureichende Wärmedämmung. Bei niedrigen Außentemperaturen führen Wärmebrücken
vor allem an Außenwänden zu kalten raumseitigen Wandoberflächen. An diesen
Oberflächen kondensieren vor allem Wasserdampf und schwerflüchtige organische
Verbindungen wie z.B. Weichmacher oder Paraffine, es bildet sich ein hauchdünner
klebriger Film. Kleinste Partikel aus aufgewirbeltem Staub, aber auch aus
Zigarettenrauch oder Kerzenruß haften an diesem Film und bewirken dunkle
Verfärbungen.
- Foggingaktive Substanzen. Beim Neubau und bei der Wohnungsrenovierung werden
seit einigen Jahren zunehmend Materialien und Produkte verwendet, die
schwerflüchtige organische Verbindungen (SVOC) wie Weichmacher, hochsiedende
Glykolverbindungen und Paraffine enthalten. Aus Wandfarben, Teppichböden und -
klebern, Kunststofftapeten, PVC-Belägen und anderen Quellen können diese Substanzen
mit der Zeit ausgasen und sich an Schwebstaubteilchen und kühlen Oberflächen
niederschlagen. Kleinste Staubteilchen ballen sich zu größeren Partikeln zusammen
und bleiben an den SVOC-belegten Oberflächen kleben.
- Statische Aufladungen. Durch bisher wenig untersuchte elektrostatische Effekte
können sich Staubpartikel und Oberflächen unterschiedlich aufladen. Dadurch
entstehen Anziehungskräfte, die zu einer beschleunigten Ablagerung des Staubs führen.
Dieser Vorgang lässt sich gut an den Bildröhren von Fernsehgeräten oder
Computermonitoren beobachten. Die Oberflächen der Bildröhren verschmutzen aufgrund
der elektrostatischen Aufladung häufig sehr schnell. Die geringe elektrische
Leitfähigkeit der Kunststoffoberflächen von Möbeln, aber auch der
Kunstharzbindemittel in Farben und Lacken begünstigen vermutlich elektrostatische
Aufladungen, verstärkt durch den Einfluss niedriger Luftfeuchtigkeit.
- Verstärkter Ruß- und Staubeintrag. In seltenen Fällen kommt eine erhöhte
Belastung der Außenluft mit Ruß- oder Staubpartikeln als Ursache in Betracht, die in
die Wohnung mit dem natürlichen Luftwechsel eingetragen werden. Die Abluft von
Tiefgaragen oder benachbarte Feuerungsanlagen können derartige Belastungen
hervorrufen. Häufiger sind es jedoch interne Quellen wie der Abrieb von Kollektoren
defekter Elektromotoren (z.B. von Staubsaugern), überhitzte Elektronikgeräte (
verschmorte Leiterplatten), Zigarettenrauch und vor allem rußende offene Flammen,
wie etwa Kerzen, Duftlampen und Petroleumleuchten.
Auffällig ist, dass Neubauten und frisch renovierte Wohnungen besonders häufig
betroffen sind.
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18.2 Was kann man tun?
Nach ersten erfolglosen Reinigungsversuchen, die meist nur zum Verschmieren der
Schwarzstaubablagerungen führen, streichen viele Betroffene Wände, Decken, teilweise
auch Fenster und Türen ihrer Wohnung neu. In den meisten Fällen allerdings ohne
dauerhaften Erfolg: bereits in der nächsten Heizperiode verschmutzt die Wohnung
erneut. Selbst das vollständige Entfernen der alten Anstriche vor dem Malern ist
keine Garantie für einen Erfolg. Zu viele Faktoren können bei der Entstehung von
Fogging eine Rolle spielen, als das eine Standard-Vorgehensweise in allen Fällen
Abhilfe schaffen könnte. Die Methode "Trial and Error" führt, wenn
überhaupt, oft erst nach kostspieligen Fehlschlägen zum Erfolg. Die Kosten für
fehlgeschlagene Sanierungsversuche in Fogging-Wohnungen sind oft enorm. Irgendwann
stellt sich daher die Frage, wer eigentlich das Ganze bezahlen muss. Handelt es sich
um einen vom Hauseigner zu verantwortenden Baumangel? Oder liegt die Verantwortung
bei den Bewohnern, die häufig Kerzen abbrennen und zu selten lüften?
Bei der Begutachtung von Fogging-Wohnungen ist die Wohnungsbegehung mit einer
Dokumentation des Schadensbildes unabdingbar. Bereits das Schadensbild kann wichtige
Informationen über die Hauptursache geben: wird z.B. die Unterkonstruktion der
Gipskartonverkleidung der Dachgeschossschräge wie eine Schwarzweiß-Photographie auf
der Tapete abgebildet? Ist die Verschmutzung im Bereich geometrischer Wärmebrücken
besonders ausgeprägt? Weiterhin werden während der Begehung Wischproben der
Verschmutzungen, Hausstaubproben und Materialproben von Wandfarben, Tapeten und
Bodenbelägen entnommen. Die Untersuchungsergebnisse weisen häufig den Weg zu den
Quellen für diejenigen Substanzen, die maßgeblich an der Bildung des klebrigen Films
auf den Oberflächen beteiligt sind.
Mit Hilfe der durch die Begehung gewonnenen Erkenntnisse und der
Untersuchungsergebnisse können Sanierungsmaßnahmen gezielt geplant und durchgeführt
werden. Bei Unsicherheiten können Wandfarben, Fußbodenkleber oder Fensterlacke mit
unbekannter Zusammensetzung vor der Verwendung auf foggingaktive Substanzen
überprüft werden.
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18.3 Das "Fogging-Paket"
Die wichtigsten Analysen zur Untersuchung einer Fogging-Wohnung haben wir in
unseren "Fogging-Paketen" zusammengefasst. Sie umfassen neben den im
jeweiligen Paket enthaltenen Analysen die Zusendung von vorgereinigten,
blindwertkontrollierten Wischtüchern und Probenahmeanleitungen.
Wischproben dürfen nur mit sorgfältig vorgereinigten und blindwertkontrollierten
Tüchern entnommen werden. Normale Papiertaschentücher oder Küchentücher sind
ungeeignet, da sie von Haus aus oft mit den zu untersuchenden Substanzen verunreinigt
sind. Wischproben werden am besten von glatten, anorganischen Oberflächen wie Glas,
Fliesen oder Metall entnommen. Kunststoffoberflächen, gestrichene Wände, Holz und
Textilien sind für die Entnahme von Wischproben ungeeignet. Die ausgewählte
Oberfläche darf mindestens 14 Tage lang nicht mehr
gereinigt worden sein und sollte
deutliche Fogging-Spuren aufweisen.
Materialien, die große Oberflächen im Raum bedecken, werden ebenfalls beprobt.
Wandfarben z.B. können große Mengen foggingaktiver Substanzen enthalten, ebenso
Teppichböden, Bodenbelagskleber und Kunststofftapeten.
Anhand der Untersuchungsergebnisse können Kosten und Aufwand für Sanierungsmaßnahmen
minimiert und die Erfolgschancen optimiert werden.
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19 Standard der baubiologischen Messtechnik
Bei der baubiologischen Begutachtung von Innenräumen
werden zur Bewertung von Messergebnissen häufig die Bewertungskriterien des
"Standards der baubiologischen Messtechnik (SBM)" verwendet. Der Standard
der baubiologischen Messtechnik wurde 1987-1992 von der Baubiologie Maes unter
Beteiligung u.a. des Instituts für Baubiologie und Oekologie Neubeuern (IBN)
entwickelt. Er wurde 1992 erstmals als SBM-92/5 publiziert und liegt mittlerweile in
der 6. Fassung als SBM-2003 vor.
In der gegenwärtigen Version beinhaltet der SBM die Abschnitte
A Felder, Wellen, Strahlung
B Wohngifte, Schadstoffe, Raumklima
C Pilze, Bakterien, Allergene.
Die Abschnitte sind nochmals untergliedert. Der Abschnitt B (Wohngifte, Schadstoffe,
Raumklima) umfasst z.B. die Bereiche:
B1 Formaldehyd und andere giftige Gase
B2 Lösemittel und andere leichtflüchtige Schadstoffe
B3 Biozide und andere schwerflüchtige Schadstoffe
B4 Schwermetalle und andere anorganische Schadstoffe
B5 Partikel und Fasern
B6 Raumklima.
Unsere Analysenangebote, die für die baubiologische Begutachtung von Innenräumen nach
SBM-2003 geeignet sind, erkennen Sie an dem Zusatz [SBM-2003, B-X] in der
Positionsbezeichnung (X steht für den jeweiligen SBM-Unterabschnitt).
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