Holzschutzmittel in Dachgeschossen II
1. Versäumte Ermittlung der Belastung eines Dachgeschosses mit Hylotox- Wirkstoffen
vor Ausbau
In einem Dachgeschoß in Berlin-Pankow war eine flächendeckende Beprobung nicht mehr
möglich, da der Ausbau teilweise schon abgeschlossen war, als der Bauherr mit uns
Kontakt aufnahm. Obwohl vom Gesundheitsamt empfohlen, war es versäumt worden, eine
Holzschutzmitteluntersuchung vor Ausbau durchführen zulassen.
Als wir das erste Mal vor Ort waren, war im Hinterhaus die Abdeckung von Fußboden und
die Verkleidung der Wände mit Rigipsplatten nahezu abgeschlossen. Im gesamten
Dachgeschoß lagen nur noch vereinzelt Sparren offen, größtenteils lagen sie hinter
Folie. Die somit sporadisch entnommenen Proben wiesen folgende
Holzschutzmittelbelastungen auf:
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| |
Vorderhaus Stiel |
Vorderhaus Deckenbalken |
| Lindan (mg/kg): |
0,4 |
31,4 |
| Pentachlorphenol (PCP) (mg/kg): |
1,3 |
0,8 |
| DDT1 (mg/kg): |
5,9 |
331 |
1die angegebenen DDT-
Belastungen sind Summen-Werte aus p,p-DDT, o,p-DDT, p,p-DDE, p,p-DDD
|
Während in der untersuchten Stielprobe aus dem Bereich
des Hinterhauses hohe PCP- und sehr hohe DDT-Werte ermittelt wurden, wurden in einer
Stielprobe des Vorderhauses deutliche Lindanbelastungen sowie geringe PCP und sehr hohe
DDT-Werte festgestellt; eine weitere Stielprobe des Vorderhauses und eine Sparrenprobe
wiesen nur geringe Belastungen mit allen drei Wirkstoffen auf. Eine untersuchte
Deckenbalkenprobe ergab eine hohe Lindan- und DDT-Belastung, aber einen geringen PCP-
Wert.
Aufgrund der uneinheitlichen Untersuchungsergebnisse entschloß sich der Bauherr
daraufhin zu einer flächendeckenden Beprobung der Stiele. Ziel war belastete und
unbelastete Bereiche genauer einzuengen. Da mittlerweile alle Stiele mit Rigips
verkleidet und teilweise auch schon tapeziert waren, mußte mit einer Lochsäge jeweils
eine "Scheibe" Rigips herausgesägt werden, um dann die Stiele beproben zu
können. Dabei wurde ersichtlich, daß die Stiele im Bereich von Vorderhaus, Seitenflügel
und Hinterhaus unterschiedlich behandelt bzw. nicht behandelt wurden.
In einigen, unter dem Dachgeschoß befindlichen Wohnungen wurden Hausstaubuntersuchungen
durchgeführt, um festzustellen, ob Belastungen aus den Deckenbalken in das
darunterliegende Geschoß gedrungen sind. Die zu beprobenden Wohnungen wurden gründlich
gereinigt (feucht gewischt), zudem wurden die Wohnungseingangstüren mit Klebeband
versehen, so daß die Wohnungen staubdicht verschlossen waren. Nach einer Woche erfolgte
eine Hausstaubprobenahme.
Die dann entnommenen Staubproben ergaben auffällige DDT-Werte von 15,9 mg /kg Staub, 10,
3 mg/kg, 19,5 mg/kg sowie 0,3 mg/kg. Dies bedeutet, daß einige Räume hoch belastet
waren.
Folgende Sanierungsmaßnahmen sind in dem Gebäude geplant: Einbau von Dachentlüftern,
Austausch von belasteten Stielen, Verlegung einer Absperrbahn im Bereich der
Holzbalkendecke, absperrende Tapete im Bereich der Unterdecke.
Dieses Beispiel verdeutlicht zusätzlich, daß durch frühzeitige Holzschutzmittel-
Untersuchungen vor Ausbau des Dachgeschosses, die Sanierungskosten um ein Vielfaches
niedriger gewesen wären, zumal die Wohnungen zum Zeitpunkt der Probenahme größtenteils
bereits bezugsfertig und vermietet bzw. verkauft waren.
2. Massive geruchliche Belästigung durch behandelte, angrenzende Decke
Aufgrund eines unangenehmen Geruches wurde eine Holzschutzmitteluntersuchung
in einem Dachgeschoß in Berlin-Prenzlauer Berg durchgeführt. Ein Schild im Dachboden
deutete auf den Einsatz von Dohnalit 1971 hin. Dieses fluoridhaltige Mittel konnte
jedoch nicht die Ursache für den Geruch sein. Stichproben von Deckenbalken, Schüttung,
Sparren und Stiele wurden untersucht. Die Belastungen der beprobten Sparren und Stiele
deuteten nicht auf den Einsatz eines PCP, Lindan und DDT- haltigen Mittels hin.
In den Deckenbalken- und Schüttungsproben wurden hohe Lindan und DDT-Werte ermittelt,
darüberhinaus Kresole, Chlorphenole und Phenole nachgewiesen. Offensichtlich sind diese
Substanzen für den Geruch verantwortlich. Ob es sich dabei um Verunreinigungen der
verwendeten Holzschutzmittel oder um einen direkten Einsatz handelte, blieb unklar.
Da im 4. Obergeschoß ebenfalls geruchliche Belästigungen auftraten, wurde der
Deckenputz untersucht. Auch hier wurden Kresole, Chlorphenole und Phenole ermittelt.
Ungefähr ein halbes Jahr später nahm der Bauherr erneut mit uns Kontakt auf. In der
Zwischenzeit war im Dachboden die Schüttung ausgetauscht worden und eine Folie über den
Deckenbalken verlegt worden. In diesem Bereich war der Geruch deutlich geringer
geworden.
Im 4. Obergeschoß blieb der unangenehme Geruch weiter bestehen, deshalb wurde der
Deckenputz abgeschlagen. Daraufhin wurde hier der Geruch intensiver. Eine Beprobung der
Deckenbalken des Dachbodens von unten (d.h. vom 4.0bergeschoß aus) zeigte ein ähnliches
Verteilungsmuster an Lindan und DDT und zudem an Kresolen, Chlorphenolen und Phenolen.
Eine Sanierung sollte nun durch kompletten Austausch der Deckenbalken erfolgen.
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